Qualitätsgeprüfte Pandemielektüre – Teil 1

Literaturempfehlung

[(c): Stadtbibliothek "Heinrich Heine" Halberstadt]

Liebe Leser,

ich möchte Ihnen heute ein Buch empfehlen, das ich bereits im Januar 2020 gelesen (oder wenigstens begonnen) habe – eigentlich spielt es keine Rolle, wann ich dieses Buch gelesen habe, aber behalten Sie bitte trotzdem im Hinterkopf, dass ich es vor der Pandemie begonnen habe. Ich persönlich lese ganz gern mal postapokalyptische Gesellschaftsromane/ -Comics, dabei ist mir völlig egal, ob Zombies die Erde besiedeln, eine atomare Katastrophe unseren Planeten unbewohnbar macht, ein Virus die Menschheit bedroht (Sorry!) oder (wie zuletzt) eine globale Naturkatastrophe wütet (diese Empfehlung folgt dann ein anderes Mal). Also bedurfte es keiner besonderen Überzeugungsarbeit, als Frau H. mir riet, Susan Beth Pfeffers „Die Welt, wie wir sie kannten“ zu lesen.
Und vielleicht kann ich ja heute Sie überzeugen. Das Buch beginnt eigentlich ganz harmlos: Die USA irgendwann in unserer Zeit (also eindeutig vor der Corona-Pandemie, aber sonst eben Gegenwart): Wir lesen quasi die ganze Zeit das Tagebuch einer Teenagerin – Familienkram, Schulärger, Freundschaftsstreitigkeiten, ein Asteroid soll auf dem Mond einschlagen, alles in allem nichts Ungewöhnliches …
Aber dann: Dann schlägt der Asteroid wirklich auf dem Mond ein, der daraufhin irgendwie seine Bahn verlässt und damit natürlich so ziemlich alles auf der Erde durcheinanderbringt. Und ab da wird es irgendwie prä-postapokalyptisch. Die Ich-Erzählerin oder Tagebuchautorin Miranda schildert lebhaft, wie im Grunde genommen alles den Bach runtergeht und dann wiederum auch irgendwie nicht. Vom Chaos beim Hamsterkaufen über wochenlange Lieferengpässe bis zum Zusammenbruch der Wirtschaft, schlechtem Wetter und dem endgültigen Niedergang des amerikanischen Bildungssystems werden die Auswirkungen des verschobenen Mondes detailliert und teilweise emotional beschrieben, dabei hält sich die Ich-Erzählerin natürlich auch gern mal an Trivialtäten auf – es ist schließlich ein Tagebuch.
Eins dieser trivialen Details ist beispielsweise, dass schon nach sehr kurzer Zeit ein Schild im Schaufenster des Sportwarengeschäfts hängt, das darauf hinweist, dass alle Waffen ausverkauft sind. Und ich dachte so: „JA, genau, liebe Amis, wenn der Mond noch ein Stückchen näherkommt, könnt ihr ihn ja einfach erschießen! Irre, wie unrealistisch.“ Ja, liebe Leser, mir ist schon klar, dass Science-Fiction per se nicht direkt den Anspruch verfolgt, realistisch zu sein, aber ich habe es gern, wenn man mir vorheuchelt, dass es realistisch sein könnte, verstehen Sie? Also, was habe ich rumgeschimpft über so einen Blödsinn … aber dann kam Corona … und während man hierzulande kein Toilettenpapier bekam, war in den USA genau was allerorts ausverkauft? Richtig! Waffen! Hui, da überlegt man sich zweimal, ob man in der U-Bahn hustet – 1:0 für S. Pfeffer, sie kennt ihre Landsleute doch ganz gut …
Auch davon abgesehen, dass das mit den Waffen dann doch irgendwie schockierend nah dran an der Realität zu sein scheint, handelt es sich um einen gut zu lesenden, spannenden Roman. Ich bin kein Fan des „Tagebuch-Stils“ und konnte es (ab einem bestimmten Punkt) trotzdem kaum noch aus der Hand legen.
Mehr möchte ich Ihnen an dieser Stelle aber gar nicht verraten, um Sie nicht zu spoilern. Lesen Sie es doch einfach selbst …

 

Susan Beth Pfeffer: Die Welt, wie wir sie kannten R 11 Science Fiction

© Maria Schmidt E-Mail

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