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Handwerker besetzen Schule - Millionenschwere Sanierung der Diesterwegschule

Millionenschwere Rettung des Diesterweg-Gebäudes in Halberstadt

[(c): Jörg Endries - Volksstimme]

Handwerker haben die Diesterweg-Grundschule in der Sargstedter Siedlung besetzt. Für immerhin 18 Monate, wenn es gelingt, den Zeitplan für die aufwendige Sanierung des Hauses einzuhalten. Baugerüste verhüllen die Grundschule, Dachdecker entblößen die über 60 Jahre alte Dachkonstruktion, Baumaschinen zerfurchen das durch den Regen aufgeweichte Außengelände. Ende April gab Halberstadts Oberbürgermeister Andreas Henke (Linke) offiziell den Startschuss für die millionenschwere Rettung des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudekomplexes. Jetzt, Anfang Dezember, ist die Schule nicht wiederzuerkennen.

„Wir sind auf einem guten Weg, das bedeutet im Zeitplan“, sagt Kurt Fümel, Projektverantwortlicher von der Stadtverwaltung Halberstadt. Ein erster großer Abschnitt, die Erneuerung der Ver- und Entsorgungskanäle, konnte bereits weitestgehend abgeschlossen werden, stellt Kurt Fümel nicht ganz ohne Stolz fest. Insgesamt mehrere Hundert Meter Kanal. Zu sehen ist davon nichts mehr.

2500 Kubikmeter umfassender Erdwall
Ergebnis der umfangreichen Schachtungsarbeiten ist allerdings ein riesiger mehrere Meter hoher und etwa 60 Meter langer Erdwall auf der Rückseite des Schulhauses. 2500 Kubikmeter Aushub liegen derzeit dort. Warum? „Aus Statik-Gründen durften die Kanalgräben damit nicht wieder aufgefüllt werden“, erklärt Kurt Fümel. Was passiert mit dem Wall? Mit dem Erdreich will man das etwa 20 000 Quadratmeter umfassende Außengelände der Schule gestalten. Letztendlich spart die Stadt als Bauherr damit die auf eine fünfstellige Summe geschätzten Entsorgungskosten auf einer Deponie.

Bei den Arbeiten sei man auf ein weiteres interessantes Detail zur Baugeschichte der Diesterweg-Grundschule gestoßen. Bekannt ist, dass beim Bau des Gebäudes Trümmer des in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges durch Bomben zerstörten Halberstadt wieder verwendet worden. „Bei Bohrungen im Umfeld sind wir im Untergrund immer wieder auf Trümmerreste gestoßen. Das bedeutet, dass das Schulgebäude auch darauf errichtet wurde“, berichtet Kurt Fümel.

Das Außengelände ist nach wie vor ein Sorgenkind. Zwar sind die Investkosten für die Sanierung mit 5,53 Millionen Euro, davon übernimmt das Land Sachsen-Anhalt 3,11 Millionen Euro, bewilligt und damit sicher. Völlig offen ist hingegen die Finanzierung zur Gestaltung des Umfeldes.

Neue Ziegel für 4000 Quadratmeter Dachfläche
„Da es vor Baubeginn praktisch schon kein Außengelände gab, das die Bezeichnung verdient hätte, ist das ein Neubau-Projekt“, sagt der Baufachmann. Nach jüngsten Schätzungen sind allein dafür zwischen 750 000 bis zu einer Million Euro notwendig, informiert Kurt Fümel. Die Stadtverwaltung habe das Problem im Blick und sei nicht untätig. Es wird versucht, Fördermittel-Quellen zu erschließen.

Zurzeit haben die Dachdecker am Schulgebäude alle Hände voll zu tun. 4000 Quadratmeter müssen sie neu eindecken. Die Handwerker sortieren die ausrangierten Dachziegel. Die guten, die man wieder verwenden kann, landen natürlich nicht auf einer Bauschuttdeponie, so Kurt Fümel. In Containern gut sortiert bietet die Stadt sie Bauherren für die Sanierung alter Fachwerkhäuser in der Altstadt Halberstadts an und verdient damit sogar noch etwas Geld.

Unklar ist in weiten Teilen noch, ob der Dachstuhl Schäden aufweist. Erst 20 Prozent der Fläche ist geöffnet, untersucht und neu eingedeckt worden. Bei alten Gebäuden sei immer mit Überraschungen zu rechnen. Deckenbalken und Sparrenköpfe sind Unsicherheitsfaktoren. „Bislang sind allerdings keine Schäden ans Tageslicht gekommen“, betont Kurt Fümel. Und er hofft, dass das so bleibt, damit die Kosten für die Gebäudesanierung im vorgegebenen Rahmen bleiben. Mit der Schule habe man viel Haus und überschaubares Geld.

Kosten für Sanierung sind gedeckelt
Sparsamkeit ist nicht nur eine Tugend, sondern im Fall der Diesterweg-Grundschule Pflicht. Der Stadtrat hat die Ausgaben gedeckelt, bedeutet, dass nur 5,53 Millionen Euro ausgegeben werden dürfen. Nicht ein Cent mehr. Angesichts stetig steigender Baupreise ist das ambitioniert. „Die Auswertung des ersten Quartals läuft bereits, um die Kostenentwicklung im Auge zu behalten“, sagt Kurt Fümel. Die nächsten Auftragsvergaben stehen bereits an. So unter anderem für den Rohbau, Elektro, Bau der neuen Heizung, Dämmung, Fenster und Türen.

Dass der Zeitplan zur Fertigstellung zum Start ins Schuljahr 2020/2021 eingehalten wird, ist Kurt Fümel optimistisch.

Jörg Endries, Volksstimme

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Bericht vom 06.12.2018 aus der Volksstimme
(c) Jörg Endries - Volksstimme
2.6 MB

© Jeannette Schroeder E-Mail

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