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Heimatgeschichte: Über die Walpurgisnacht: „Morgen ist morgen, doch heute ist heut…“

[(c): Archiv - M. Grusche]

Halberstadt / Brocken. Weit über die Grenzen unseres schönen Harzes hinaus hat dieses Wort einen eigenen, geheimnisvollen Klang, und überall spricht man in diesen Tagen, wo der Frühling in die Harzberge einzieht und Vater Brocken den Winter mit den letzten Schneeresten verabschiedet, von der bevorstehenden Walpurgisfeier auf dem Brocken. Von nah und fern kommen am letzten Apriltage wieder Hexlein und Teufel, beseelt von Maienstimmung und Frühlingssehnen, um auf dem sagenumwobenen Blocksberg ihr großes Fest zu feiern.

Doch worin besteht nun die Walpurgisfeier, wird die Frage derer sein, die in ihrem Leben noch keine Gelegenheit hatten, eine Walpurgisfahrt zu unternehmen und die Mitternachtsstunde an der Teufelskanzel zu verleben. Mag ihnen als Antwort dienen, was anno dazumal, genauer im Jahre 1914, einst dessen Festleiter Theodor Ebeling, Bürgermeister aus Wernigerode, in seiner letzten Begrüßungsansprache u. a. sagte:

„Teufel wollen wir sein und Hexen, aber dabei nicht vergessen, dass wir gottähnliche Menschen sind, denen ein sehnendes Herz in die Brust gelegt ist, ringend nach dem Schönen und Guten, dürstend nach Höherem, Reinem. Schmausen wollen wir und singen, aber die Götter der Anmut und des heiteren Frohsinns dazu laden, die in den reinen Lüften der Berge und Wälder heimisch sind. Mit Übermut und Mummenschanz wollen wir den grämlichen Winter und mit ihm alle Unholde um und in uns verabschieden und dem Wonnemonat entgegenjauchzen und dem Lichte und der Sonne! Wir wollen zechen und schwärmen, lieben und träumen! So wollen wir Walpurgis feiern und bitten, dass der Geist Goethes über uns mächtig werde.“

Weitere Reden folgten, unterbrochen von passenden Liedern und musikalischen Darbietungen. Ebenso durften einige hübsche Verse nicht fehlen, wie beispielsweise dieser hier. Sie wurden von damaligem Stadtrat aus Blankenburg, Hermann von Frankenberg (1865 - 1931), gehalten und begannen mit:

„Brocken, mein Brocken, was ist das heut nur? Kaum ist verschwunden der Schneeschanzen Spur, da kommen schon an die Tausend herauf. Fauchend und keuchend klingt Dampfrossgeschnauf, alles ist lustig, ruft Heil und Hallo. Feiert Walpurgis vergnüglich und froh.

Brocken, zieh ja nicht ein grämlich Gesicht – Hör, was Erfahrung durch mich zu dir spricht! Eingedenk sei meines freundlichen Rats, den ich einst lernte vom alten Horaz; Schmerzen und Lachen erfreut uns beim Wein, Süß ist’s, zur rechten Zeit töricht zu sein!

Ernst ist das Leben, doch heiter die Kunst, Heiterkeit steht bei uns allen in Gunst. Alle die Sorgen, lasst drunten sie weit. Morgen ist morgen, doch heute ist heut. Nüchtern und kahl ist die graue Vernunft – hoch überm Tal thront die Hexenberg-Zunft...“

Von Mirco Stribrny

Foto: Die Walpurgisfeier im Harz ist seit eh und je ein Erlebnis. Diese humoristische Abbildung zeigt das Titelblatt von einem Programmheft zur „Walpurgisfeier auf dem Brocken“, anno 1914.
(Foto-Archiv: Mirco Stribrny)

© Alina Sternke E-Mail

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