Abendveranstaltungen im Heineanum
Die Reihe der Abendveranstaltungen geht weiter mit einem Vortrag von Jürgen Fiebig zur Bedeutung des Präparats im Museum.
In einer Welt, in der VR-Brillen und hochauflösende 4K-Bildschirme uns in entlegene Regenwälder oder längst vergangene Epochen entführen, stellt sich eine provokante Frage: Brauchen wir in Zeiten von Deepfakes und KI-generierten Bildern im Museum überhaupt noch „echte“ Tiere? Reicht nicht ein digitales Abbild?
Der langjährige Präparator des Berliner Naturkundemuseums Jürgen Fiebig zeigt in seinem Vortrag mit eindrucksvollen Bildern, dass ein Exponat weit mehr ist als nur eine „ausgestopfte“ Hülle. Während digitale Medien unbestreitbare Vorteile in der Wissensvermittlung bieten – etwa durch die Visualisierung von Zellprozessen oder die Animation ausgestorbener Arten –, fehlt ihnen eine entscheidende Komponente: die Authentizität. Die direkte Konfrontation mit dem Original kann beim Betrachter Ehrfurcht Staunen und ein Gefühl der Präsenz auslösen, das digitale oder reproduzierte Inhalte oft nicht erreichen. Die „Faszination Originalexponat“ beschreibt in Kunst- wie in Naturmuseen die besondere, fesselnde Anziehungskraft und emotionale Wirkung, die von einem authentischen, echten Ausstellungsstück ausgeht.
Jürgen Fiebig gibt auch Einblicke in die enorme Weiterentwicklung der Präparationstechniken. Seit etwa Beginn des letzten Jahrhunderts haben sich die Anforderungen an die Qualität der Präparation und somit die Qualität von Exponaten in modernen Museumsausstellungen deutlich erhöht. Er umreißt die Entwicklung von Naturalienkabinetten zu modernen Forschungsmuseen und stellt die Bedeutung originaler Sachzeugen und originalgetreuer Exponate heraus.
Neben dem Erhalt historischer Sammlungen gehört auch die Neugestaltung anspruchsvoller Exponate zu den Kernaufgaben der Präparatoren, die damit insbesondere in großen Forschungsmuseen mit ihrer Arbeit die Basis für Forschung und Wissensvermittlung legen. Die Arbeit eines Präparators ist ein komplexes Zusammenspiel aus anatomischem Fachwissen, handwerklichem Geschick und künstlerischem Gespür, bei dem es nicht nur darum geht, organisches Material vor dem Verfall zu bewahren. Die Gestaltung des Tieres soll es in den Augen des Betrachters wieder lebendig werden lassen. So wird der Besuch eines Museums mit Originalexponaten zu einem bewussten Ereignis.
Der Abendvortrag ist am Dienstag, den 10. Februar 2026 und beginnt um 19 Uhr. Der Eintritt kostet 3,00 Euro und ist für Mitglieder des Förderkreises frei.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Ihr Heineanum-Team
Programm der stattfindenden Abendvorträge 2026
- Treffpunkt: jeweils 19:00 Uhr
im Rathaus der Stadt Halberstadt, Holzmarkt 1, Großer Ratssitzungssaal
+++ 1. Halbjahr 2026 +++
20. Januar Zealandia - der achte Kontinent? Reisebericht aus Neukaledonien
Referenten: Gabriele Schwentek & Hartmut Gubin
10. Februar Die Bedeutung des Präparats im Museum
Referent: Jürgen Fiebig
17. März Finkenmanöver - Szenische Lesung
Referentin: Bettina Függemann
21. April Alles so schön bunt hier - Artenvielfalt im historischen Federzimmer auf Schloss Moritzburg
Referent: Dr. Martin Päckert
19. Mai Vogelstimmen-Wanderung - Treffpunkt: Eingang Städtischer Friedhof
Heineanum-Mitarbeiter Rüdiger Becker, Detlef Becker
* * * S O M M E R P A U S E * * *
+++ 2. Halbjahr 2026 +++
11. August Eine unwahrscheinliche Gorilla-Odyssee
Referent: Dr. Albrecht Manegold
15. September Ländliche Lebensgrundlagen und biologische Vielfalt in traditionellen Nutzungssystemen und
Ölpalmenplantagen Kameruns
Referent: Prof. Dr. Matthias Waltert
20. Oktober Der Steinkaufz - zurück auf leisen Schwingen
Referent: Eckhard Kartheuser
17. November Durch das Tibetsi-Gebirge zu den Qunianga-Seen
Referent: Jens Hering
15. Dezember Ein Streifzug durch die Vogelwelt Kolumbiens
Referent: Rüdiger Becker
Treffpunkt jeweils 19:00 Uhr im Rathaus der Stadt Halberstadt, Holzmarkt 1 - außer am 19. Mai 2026
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| Abendveranstaltungen 2026 |
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