Die Täufer als Freiheitsbewegung im 16. Jahrhundert

Die Täufer als Freiheitsbewegung im 16. Jahrhundert

Die Täufergemeinschaft  von Halberstadt 1535

Im Themenjahr „Reformation und Toleranz musste sich die Evangelische Kirche in Deutschland auch den Schatten der Reformation stellen. Die Geschichte der Täufer gehört dahinein. In Reinhardtsbrunn erinnert seit Januar 2013 eine Gedenksäule an 4 ermordete Frauen und 2 Männer, die 1530 für ihren täuferischen Glauben starben.

Der Rechtsrahmen: Mandat Kaiser Karls V. 1529 auf dem Reichstag zu Speyer

„dass alle und jede Wiedertäufer und wiedergetaufte Manns- und Weibspersonen verständigs alters vom natürlichen leben zum tod mit dem feuer, schwerd oder dergleichen, nach gelegenheit der personen ohn vorgehend der geistlichen richter inquisition gericht und gebracht werden“

Die Reformatoren zum Umgang mit den Täufern Melanchthon 1531

„Wo Anabaptisten begriffen werden, dass man fleyssig danach frage, … welche Artikel sie haben; Wo man nu befindet, dass sie verbotene Artikel haben, mag man sie mit dem Schwert strafen, als diejenigen, so conventicula angerichtet haben wider meines gnädigen Herrn oeffentlich ausgegangen Mandat.“

Die Lehren der Täufer

  • Kirche als Gemeinschaft der Geliebten Gottes
  • Bildung von freien Gemeinden
  • Kirchenkritik gegenüber Katholiken und Lutheranern
  • Unmittelbarer Zugang zu Gott
  • Trennung von Staat und Kirche
  • Gewaltlosigkeit, Bereitschaft zum Martyrium
  • Taufe Erwachsener als Bekenntnis

Zeittafel

1517 – Beginn der Wittenberger Reformation
1521 – Unruhen in Wittenberg
1525 – Bauernkrieg, Entstehung des Täufertums in der Schweiz
1527 – Ausbreitung des Täufertums in Mitteldeutschland
1529 – Reichstag in Speyer: Mandat Kaiser Karls
1530 – 1540 Ausbreitung des Luthertums im Bistum Halberstadt
1534 - „Gottesstaat “ in Münster, Verfolgung der Täufer im   Südharz
1535  Bildung einer täuferischen Gemeinschaft in Halberstadt

Tatort Halberstadt – der Täuferkrimi in der Domstadt 1535

Februar:

Flucht von Täufer Georg Knoblauch aus Emseloh bei Sangerhausen

Das Urteil Kardinal Albrechts im Landeshauptarchiv

LHSA A 13

Nr. 839

 

Februar: Anmietung eines „Pfaffenhäusleins“ Unter den Weiden

März: Eintreffen weiterer Täufer, Aussendung von Aposteln bis Mühlhausen

Ostern:Taufen im Haus (Anna Scheidemantel und Grete Reusse) durch Heinz Kraut

Juli: Feier des Abendmahls mit 18 Personen - 2 Hochzeiten

August: Geburt des Kindes von Grete Reusse, Anna Scheidemantel hochschwanger

August:

Wohnungsverweis durch Vermieterin, Umzug in den Grauen Hof

1. September

Hinweis auf Täufer an Kardinal Albrecht durch Herzog Georg von Sachsen, Nachfrage in Halberstadt

13. September Untersuchung im Grauen Hof: 2 Frauen und 6 Kinder befragt nach ihrem Glauben

13. Sept. 13 Uhr – Erscheinen von Hans Höhne und Petronella. Festnahme.  Gemeinsames Klagen u. Beten.

14. September         

1. Verhör zur Güte von Hans Höhne und Petronella – Bericht an Kardinal Albrecht.

20. September 

2. Verhör zur Güte auf Geheiß von Kardinal Albrecht. Bekenntnis zum eigenen Glauben.

20. September

Zeitgleiches Eintreffen von Adrian Richter und Anna Reichard   im Grauen Hof

 

20. September 

Verhaftung von Adrian Richter, Bereitschaft, um Christi willen den Tod zu erleiden

25. September

Befehl Kardinal Albrechts, die Sache zu verziehen. Auftrag an Weihbischof, Gespräche mit Gefangenen zu führen

1. Oktober

Bereitschaft zur Rückkehr in die kath. Kirche bei Anna Scheidemantel u. Grete Reusse

8. Oktober

Weisung Kardinal Albrechts zum peinlichen Verhör in Gröningen

8. Oktober

…falls kein Abschwören vom Täufertum – „Ersäufen in der Bode“

Für ihren Glauben gestorben:

  • Hans Höhne
  • Adrian Richter
  • Petronella

Begnadigung von zwei Frauen aufgrund von Widerruf.

Unklarer Grund für Verschonung von Anna Reichardt

 

© Jeannette Schroeder E-Mail



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