Wir kennen das auch: Buchersatz

[(c): djkinney auf Pixabay]


Es gibt viele verschiedene Gründe dafür, ein Buch ersetzen zu müssen. Oft verschwinden Bücher auf mysteriöse Weise und tauchen erst Monate später in Taschen auf, von denen man gar nicht wusste, dass man sie benutzt hatte. Manchmal frisst der Hund eine Ecke oder das kreative Kleinkind lässt seiner künstlerischen Ader freien Lauf und verziert die sonst so bildkargen Seiten. Manchmal ist das Buch völlig unversehrt, aber leider ist die sonst darin enthaltene Karte/ CD /DVD verschwunden. Manchmal war alles gut, bis ein Platzregen auf dem Weg zur Bibliothek die Tasche oder dem Beutel, in der oder dem sich das geliehene Buch befand, völlig durchnässt hat. Und manchmal kann man einfach gar nicht so dumm denken, wie es dann kommt.

So auch im Fall von Frau H. : Fröhlich und beschwingt schnappte sie morgens vor der Arbeit das ausgelesene Buch, steckte es in die Tasche und begab sich auf den Weg in die Bibliothek, vorher noch kurz beim Bäcker ran und als sie nach ihrem Portmonee griff, kam die böse Überraschung: Ihr Joghurt war geplatzt, die Tasche hatte nun eine cremige Füllung und das Bibliotheksbuch erstrahlte mit zarten rosa Tupfen dekoriert in einem ganz anderen Layout. Damit war nicht nur ihr Frühstück, sondern auch das (ziemlich neue) Bibliotheksbuch ruiniert.
Dieses Buch ist nicht zu retten, wobei die neue Farbgebung wirklich das geringste Problem ist… Die Wellen, die die Seiten jetzt schlagen, die Aussichtslosigkeit jemals wieder vernünftig blättern zu können, der Geruch, Kurzum: Ersatz muss her – so ist es und so steht es auch in der Benutzungsordnung.
Nun könnten Sie denken, liebe Leser, ich würde hier gegen den Datenschutz verstoßen, aber Tatsache ist, Frau H. erzählte mir diese Geschichte, DAMIT ich sie in den Blog schreibe, denn Frau H. ist nicht nur eine fleißige Leserin der Stadtbibliothek „Heinrich Heine“ Halberstadt, sondern auch eine fleißige Mitarbeiterin. Sie kennt – wie ich auch – die schuldbewussten, beschämten Blicke der Leser, wenn sie ihre „Missgeschicke“ zu erklären versuchen und zu glauben scheinen, wir würden nun direkt den Pranger aus dem Archiv holen und sie dort direkt am Eingang für wenigstens acht Tage festsetzen, um ihre Schande publik zu machen oder wir würden ihnen nun zwangsläufig ein Brandzeichen setzen, das uns fortan auf den ersten Blick sagt (gruselige Stimme): „Buchersatz!“. Spoileralarm: Das machen wir nicht – oder wirklich wirklich selten – vielleicht, wenn es öfter vorkommt … oder bei ganz neuen Büchern … jedenfalls muss man erstmal keine Angst vor uns haben – es ist nicht gleich so wie in „Die Monster-Uni“ wenn die Bibliothekarin einen erwischt … das heißt: natürlich nur solange Sie leise bleiben ;-)
Dieser Joghurtanschlag – so ärgerlich er für Frau H. auch war – sagt Ihnen also vielleicht, dass es passieren kann, auch uns passieren kann, dass Bücher beschädigt werden. Nur eins trifft eben leider immer zu und da können wir für niemanden eine Ausnahme machen: Ersatz muss her. Dafür können Sie das vollgekleckerte Buch dann auch behalten …

© Maria Schmidt E-Mail

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