Plagiate, Satire und Interpretationsgespräche

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Wie es im Bibliotheksalltag so ist, kommt man hin und wieder auch mal mit den Lesern ins Gespräch – eine der besten Seiten meines Jobs: man darf sich über die gelesene Literatur austauschen.
Manchmal sagen mir Leser, wenn sie ein von mir empfohlenes Buch zurückgeben, was ihnen besonders gefallen hat oder wir tauschen kurze Interpretationen aus (so in der Art: „Wie deuten Sie das Ende?“).
Meistens finden Literaturgespräche aber eher so statt, dass Leser eine Empfehlung wollen und ich Ihnen von diesem oder jenem Buch vorschwärme, kurz den Inhalt anreiße oder nur mitteile, um welche Art der Lektüre es sich handelt, manchmal auch andeute, warum mir das Buch gut gefallen hat (natürlich sage immer gerade genug, um neugierig zu machen und nie genug, um zu spoilern) oder nur mitteile: „Wenn Sie diesen Autor mögen, wird Ihnen jener sehr wahrscheinlich auch gefallen.“ – eben Literaturempfehlungen nach den Bedürfnissen der Leser – nach bestem Wissen und Gewissen.

Natürlich bekomme ich selbst auch – wenn auch verhältnismäßig weniger – Literaturempfehlungen von Lesern, die ich dann gern annehme. Etwas häufiger noch klagen mir Leser aber ihr Leid, dass dieses oder jenes Buch nicht ihren Erwartungen entsprochen habe (direkt im Anschluss an ihre „Beschwerde“ folgt dann meistens ein: „Können Sie mir nicht mal was Schönes empfehlen?“ – und wie das dann unter Umständen ausgeht, haben Sie ja vielleicht in meinem ersten Blog gelesen…).
Aber Gespräche über Literatur sind wichtig und so würde ich nie einen Leser unterbrechen, der nach der Lektüre Redebedarf hat.

Als nun ein Leser an der Ausleihe seine kritischen Beobachtungen zum jüngst ausgelesen Werk „Die Arena“ von Stephen King äußerte, hörte ich aufmerksam zu (obwohl oder gerade, weil ich selbst das Buch nicht kenne).
Fakt 1: Das Buch wurde als Serie verfilmt: „Under the Dome“ – Aha, davon hatte ich ca. eine halbe Folge gesehen (zugegeben: es war nicht die erste) und dann entschieden, dass mir das alles viel zu konfus und befremdlich ist. Der Leser befand die Serie für ok, wobei es da wohl Qualitätsunterschiede zwischen den einzelnen Staffeln gab. Wirklich viel antworten konnte ich ihm – mangels eigenem Wissen – nicht.
Fakt 2: Diese ganze Thematik ist sowieso von den Simpsons geklaut! Im Film haben sie nämlich auch schon eine Glaskuppel über Springfield gestülpt, Stephen King hat einfach nur abgeschrieben. – Ah, ja, ok, das kennt man ja, dass die Simpsons Ideen entwickeln, Geschichten erzählen und andere Autoren diese dann aufgreifen und versuchen, ernsthafte, gruselige oder traurige Handlungsstränge herum zu konzipieren. Dass Satire auf bereits bestehende Storys zugreift und diese dann ins Lächerlich zieht, ist da ja vergleichsweise untypisch … (Trumps Präsidentschaft mal ausgenommen) – aber wie sage ich dem Leser jetzt, dass ich an seiner These so meine Zweifel hege? Auf mein vorsichtiges „Aha?“ reagiert er mit einem: „Jaja, das mit der Glaskuppel ist schon voll alt!“ Und ich denke nur: „Naja, Stephen King ist ja auch nicht mehr der Jüngste …“
(Kleiner gedanklicher Exkurs: Direkt bevor ich zum ersten Mal „300“ gesehen habe, hatte ich „Meine Frau, die Spartaner und ich“ gesehen: ich musste bei „300“ ständig – ja geradezu pausenlos – lachen. Wenn ich den Film heute sehe, frage ich mich, was daran so witzig war … Es kann also amüsant und durchaus anregend sein, die Satire als das Original zu betrachten und anders herum … Ich verstehe den Leser also eigentlich ganz gut …)
Aber zurück zum Thema: Die Arena. Der Leser kam in direktem Anschluss an die Info, dass die Idee mit der Kuppel alt ist, zu:
Fakt 3: Alles in allem ist es trotzdem ganz gut und daher wolle er nun weitere Titel von Stephen King lesen – Aha! Hier höre ich doch einen Arbeitsauftrag heraus: gern zeige ich dem Leser, wo er die übrigen Werke von King in unserem Bestand findet und überlege dabei, wie ich ihn dazu bekomme, heute auch noch Spiderman auszuleihen ;-)

Um Ihnen eine Liste der mehr als 40 Bücher des Autors Stephen King, die sich in unserem Bestand befinden, zu ersparen, hier eine thematisch ebenfalls zur Story passende, wenn auch völlig andere Empfehlung:
Hörbuch: E 300 Die Simpsons und die Philosophie: Schlauer werden mit der Berühmtesten Fernsehfamilie der Welt
PS: In der Kinderbibliothek finden Sie auch Simpson-Comics …

© Maria Schmidt E-Mail

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