BCKategorie 21.09.2015 09:27:53 Uhr

Gedenkstätte für die Opfer des Konzentrationslagers Langenstein-Zwieberge

Gedenstätte Langenstein Zwieberge

Der historische Ort

Die Gedenkstätte ist ein internationaler Ort des Erinnerns an die Häftlinge des KZ-Außenlagers Langenstein-Zwieberge aus 23 Ländern.

Das Projekt „Malachit“ im letzten Kriegsjahr

Noch in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges erhofften sich die Nationalsozialisten vom Einsatz moderner Jagdflugzeuge einen wirksameren Schutz des deutschen Luftraums vor den alliierten Bombern. Der am 1. März 1944 gegründete „Jägerstab“ sollte die Fertigung dieser strahlgetriebenen Flugzeuge sicherstellen. Das schloss auch die Schaffung bombensicherer Fertigungsstätten ein.

In diesem Zusammenhang begann im Frühjahr 1944 unweit von Halberstadt im Harzvorland unter dem Decknamen „Malachit“ ein riesiges Projekt: der Bau eines Netzes von Stollengängen im Hügel der Thekenberge mit einer Grundfläche von rund 72.000 m2, in denen Flugzeugteile produziert werden sollten.

Zur Unterbringung der dafür notwendigen Arbeitskräfte wurde im April 1944 ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald in der Nähe des Dorfes Langenstein errichtet. Insgesamt wurden dort von April 1944 bis April 1945 mehr als 7.000 Häftlinge aus 23 Ländern gefangen gehalten.

Mörderische Ausbeutung durch Arbeit

Die Mehrheit der in Langenstein Inhaftierten wurde zum Bau des Stollens eingesetzt. Von Mai 1944 bis Anfang April 1945 trieben sie Stollengänge mit einer Fläche von 67.000 m2 in den Berg. Das entsprach 93 Prozent der für das Bauvorhaben „Malachit“ geplanten Fläche. Mehr als ein Drittel davon stand für die Aufnahme der Produktion bereit. Unterernährt und in Lumpen gehüllt arbeiteten die Häftlinge unter extremen Bedingungen: körperlich schwer, ohne Schutzmaßnahmen, im Staub und unter den Schlägen des Aufsichtspersonals. Bis zur Lagerevakuierung starben nahezu 2.000 Männer, das heißt fast ein Drittel aller Häftlinge.

Todesmarsch

Am 9. April 1945 wurde das Lager auf Befehl der SS evakuiert. Sechs Kolonnen zu jeweils 500 noch gehfähigen Häftlingen nahmen den Marsch auf, zurück blieben etwa 1.400 Menschen. Während die erste Kolonne zwölf Tage lang über 260 km getrieben wurde, musste eine andere Kolonne noch weitere 100 km zurücklegen. Von den restlichen Kolonnen fehlen verlässliche Angaben. Die Mehrheit der Häftlinge wurde von den Wachmannschaften erschossen, als sie entkräftet zusammenbrachen oder die Flucht versuchten. Nur ein kleiner Teil von ihnen überlebte den Todesmarsch. Die im Lager Zurückgelassenen wurden von US-amerikanischen Truppen befreit.

Die Gedenkstätte

1949 wurde am Ort der Massengräber ein erstes Mahnmal eingeweiht. Nach mehreren Umgestaltungen des Gräberfeldes ist es durch die Anbringung von Namenstafeln seit 2011 möglich, der dort begrabenen Opfer individuell zu gedenken. Heute umfasst die Gedenkstätte das ehemalige Lagergelände mit baulichen Überresten und den Massengräbern, ein Verwaltungs -und Ausstellungsgebäude und bietet die Möglichkeit des Zugangs zu 120 Metern des Stollensystems.

Ein internationaler Ort des Erinnerns

Die Arbeit der Gedenkstätte ist bis heute maßgeblich durch die Internationalität der Häftlinge geprägt. Nachkommen von ihnen haben sich zu einer in Deutschland wohl einmaligen Gruppe zusammengefunden, der internationalen „Gruppe der zweiten Generation“. Sie bringt sich intensiv in verschiedene Aspekte der Gedenkarbeit ein.

Ein Ort der historisch-politischen Bildung

Das pädagogische Team bietet unter Einbeziehung des ehemaligen Lagergeländes und eines Stollenabschnitts Projekttage und thematische Führungen an, die sich sowohl für Erwachsene als auch für den fächerübergreifenden Unterricht aller Schulformen eignen. Gern entwickeln wir ein auf Ihre Gruppe zugeschnittenes Angebot.

Ein Ort der historischen Forschung

Der Sammlungsbestand der Gedenkstätte umfasst derzeit 39 Regalmeter. 450 Mappen mit biografischen Angaben zu Häftlingen, 7.500 Fotos und 3.000 Dias stehen für wissenschaftliche Recherchen zur Verfügung. Der Bestand dokumentiert sowohl die Geschichte des Lagers als auch der Gedenkstätte.

ÖFFNUNGSZEITEN

Freigelände

Das ehemalige Lagergelände kann ohne Voranmeldung tagsüber besichtigt werden.

Dauerausstellung im Verwaltungs- und Ausstellungsgebäude

Dienstag bis Freitag: 9:00 bis 15:30 Uhr
April bis Oktober: jedes letzte Wochenende im Monat 14:00 bis 17:00 Uhr
Für angemeldete Gruppen nach Vereinbarung.

Stollenabschnitt

April bis Oktober: jedes letzte Wochenende im Monat 14:00 bis 17:00 Uhr
Für angemeldete Gruppen nach Vereinbarung.
Hinweis: Von November bis März aus Witterungsgründen geschlossen.

Kontakt

Gedenkstätte für die Opfer des KZ Langenstein-Zwieberge
Vor den Zwiebergen 1
38895 Halberstadt OT Langenstein

E-Mail: info-langenstein@erinnern.org
Website: www.erinnern.org
Instagram: www.instagram.com/memoriallangenstein
Facebook: www.facebook.com/gdlangenstein
Twitter: https://twitter.com/langenstein_zb

Telefon: +49 3941 567 326
Fax: +49 3941 30248

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