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BCKategorie 21.09.2015 09:27:53 Uhr | Pressemeldungen

Mehr als 50 Besucher nahmen 70 Jahre alten Plan über die Zerstörung Halberstadts in Augenschein

Interessierte Zuhörer: Zeitzeuge Werner Hartmann berichtet anhand des durch Marlis Schwahn geretteten historischen Planes über Zerstörung und Wiederaufbau Halberstadts.

Mehr als 50 Besucher kamen gestern Abend (27. Januar 2016) in den Ausstellungsraum des Schraubemuseum in der Voigtei.



Angelockt wurden die Gäste nicht nur durch die noch bis zum 31. Januar zu sehende sehr interessante Ausstellung „Halberstadt in Licht und Schatten – Zerstörung, Verfall, Erneuerung“, sondern durch einen etwa 70 Jahre alten Plan - ein städtebauliches Protokoll über die Zerstörung Halberstadts. Marlis Schwan aus Halberstadt hat ihn über viele Jahre sorgfältig aufbewahrt und nun im Zuge dieser Ausstellung dem Städtischen Museum zur Verfügung gestellt hat. Die große Freude über diesen „Neuzugang“ war dem Museumschef Armin Schulze während seiner mit einem Blumenstrauß versehenen Dankesworte ins Gesicht geschrieben. Er stellte in Aussicht, dass dieser akribisch gezeichnete, historische Stadtplan, bei dem es sich mit großer Sicherheit um ein Unikat handelt, auf eine Ausstellungswand gezogen werden soll und somit Teil dieser Exposition wird.
Marlis Schwahn erzählte den Gästen, dass sie von 1963 bis 2006 im Stadtbauamt/Bauaufsicht beschäftigt war und somit einen engen Bezug zur Stadtgeschichte hat. Sie habe 1990 den zur Entsorgung vorgesehenen Plan sichergestellt und verwahrt. „Ich freue mich, wenn dieses historische Dokument nun auch nachfolgenden Generationen zur Verfügung stehen wird.“
Auch Zeitzeuge, Ehrenbürger, Chronist und Autor Werner Hartmann spricht von einem bedeutenden Protokoll über die Zerstörung Halberstadts während des zweiten Weltkrieges. Alle Gebäude und Straßenzüge, die nach dem Angriff auf die Domstadt nicht mehr vorhanden waren, sind auf dem Plan gelb markiert. Dies war weit mehr als die Hälfte der Gesamtbebauung der Halberstadts. „Im Verhältnis gesehen hat Halberstadt nach Dresden die zweitgrößte Zerstörung erleiden müssen“, sagt Werner Hartmann. Anhand des 70 Jahre alten Stadtplans berichtet Hartmann über selbst Erlebtes während der gnadenlosen Zerstörung und über den unermüdlichen Wiederaufbau Halberstadts. Er erinnert daran, dass keine Infrastruktur mehr vorhanden und 60 % der Leitungen zerstört waren. Der Chronist spricht von einem „ganz großen Trauerspiel“. Werner Hartmann erzählt nicht nur über den ganz schwierigen Beginn der Enttrümmerung der Stadt, sondern auch über die Besonderheit, dass die Halberstädter bereits im Jahr 1948 beschlossen, aus den Trümmersteinen des Elysiums ein Volkstheater aufzubauen. So konnte am 1. Dezember 1949 in der ehemaligen Wilhelmstraße, heute OdF-Straße, ein Theater eröffnet werden.
„Man darf nie vergessen, was die Menschen damals auf sich genommen haben, um die vielen Trümmer zu beseitigen. Deshalb sei es auch von großer Bedeutung, dass in Würdigung dieser Wiederaufbauleistungen ein Trümmerfrauendenkmal vor dem Rathaus der Stadt errichtet worden ist.

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