Bildung, Vorträge und Diskussionen

Offene jüdische Häuser

Veranstaltung zum Tag des offenen Denkmals

14.09.2025 von 11:00 Uhr bis 17:00 Uhr

Jüdinnen lebten bis zu ihrer Vertreibung oder Deportation als Nachbarn von nicht-jüdischen Bürger*innen in den Städten. Sie waren in die Nachbarschaften integriert. Überschattet von der Erfahrung des Holocaust ist diese Tatsache vielfach aus dem Bewusstsein verschwunden. Das Projekt „Offene jüdische Häuser - Zu Gast bei …“ macht die frühere jüdische Nachbarschaft deutlich, indem heutige Bewohner*innen der Häuser oder Wohnungen ein Plakat im Fenster anbringen, das mitteilt, welche jüdische Familie dort gelebt hatte.

Die Adressen der damaligen jüdischen Bürger*innen sind auf der Homepage des Berend Lehmann Museums und der Homepage der Stadt Halberstadt zugänglich. Interessierte Halberstädter*innen können entsprechende Plakate in der Klaus, Rosenwinkel 18 erhalten.

Die Halberstädter Volksstimme, die Mitteldeutsche Zeitung und der MDR begleiten das Projekt und machen auf die Plakataktion aufmerksam.

Darüber hinaus sind ausgewählte Wohnungen oder Geschäftslokale zu vereinbarten Zeiten offen für Besucher*innen. Es finden dort Gespräche statt über die früheren jüdischen Bewohner*innen, historische Fotos können angeschaut werden, vielleicht sind Nachfahr*innen der jüdischen Familien zu Gast und stehen für Gespräche zur Verfügung, es kann ein Hauskonzert aufgeführt werden oder eine Lesung. Es findet ein aktives Erinnern statt. 

Durch „Offene jüdische Häuser - Zu Gast bei…“ wird Geschichte lebendig. Jeder ist willkommen um zuzuhören, selbst zu erzählen und zu Erinnerungen beizutragen.

2025 steht der Adressbuchjahrgang 1905 im Mittelpunkt. Er wurde ausgewählt, weil in diesem Jahr das Städtische Museum Halberstadt gegründet wurde. Bei der Entstehung des Museums hatten sich auch jüdische Bürger engagiert. Vor allem Hermann Schwab ist hier zu nennen. Im Kontext der Museumsgründung verfasste er im Auftrag der Stadt zur Förderung des Tourismus einen „Literarischen Stadtführer“, der in mehreren Auflagen erschien und letztendlich auf 30.000 Exemplare kam. In der Jubiläumsausstellung des Städtischen Museum wird mit einer Tafel explizit an Hermann Schwab und sein Engagement erinnert.

Hermann Schwab wurde 1879 in Frankfurt/a. M. geboren. Ab 1894 war er für das Halberstädter Unternehmen „Aron Hirsch & Sohn“ tätig; erst im Messingwerk bei Eberswalde, ab 1902 in der Halberstädter Zentrale. Schon in seiner Schulzeit in Frankfurt/a. M. hatte Schwab Theaterrezensionen geschrieben, darunter für die renommierte Frankfurter Zeitung. Dies führte Schwab in Halberstadt neben seiner kaufmännischen Tätigkeit fort. Als das Unternehmen Hirsch 1927 den Standort Halberstadt aufgab, machte Schwab die Nebentätigkeit zu seinem Hauptberuf, indem er den „Mitteldeutschen Presse- und Bilderdienst“ gründete. Durch die schon bestehenden Kontakte in die Welt der Presse machte seine Agentur schnell Furore. Endgültig wurde Schwab bekannt, nachdem er exklusiv über die Explosion eines Autos mit Raketenantrieb bei einer Testfahrt bei Blankenburg/Harz berichtet hatte und der „Raketenmann“ war. Durch die nationalsozialistische Gesetzgebung gezwungen, musste Schwab seinen Pressedienst 1934 einstellen. Mit seiner Frau Dina und der Tochter Ady emigrierte Schwab in demselben nach London zu seinem Sohn Sol. In England gründete Schwab noch einmal eine Presseagentur, die aber nie an die Erfolge des „Mitteldeutschen Presse – und Bilderdienstes“ heranreichte.

Halberstadt und die neo-orthodoxe Ausrichtung der jüdischen Gemeinde blieben auch in der Emigration zentrale Themen für Schwab. Zur Dokumentation des Aufkommens des Nationalsozialismus in Halberstadt verfasste Schwab 1953 ein fiktives Tagebuch mit dem Titel „1933“. 1962 verstarb Hermann Schwab in London.

Veranstaltungsort(e)
Berend Lehmann Museum
38820 Halberstadt
Rosenwinkel 18
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