Ein neues Herz für die Gemeinschaft
Bürgerhaus im Schachdorf Ströbeck feierlich übergeben
Nach langer Planungs- und Bauzeit ist ein moderner Treffpunkt für das Dorf entstanden – rund 2,6 Millionen Euro investiert – auch für das neue Schachmuseum gibt es gute Nachrichten
Es war ein besonderer Moment für das Schachdorf Ströbeck: Nach Jahren der Planung, umfangreichen Bauarbeiten und mancher unerwarteten Herausforderung ist am Freitag, 21. August 2026, das sanierte Bürgerhaus feierlich übergeben worden. Wo in den vergangenen Monaten Handwerker, Planer und Fachleute das Bild bestimmten, soll künftig wieder das stattfinden, wofür dieses Haus gedacht ist: Begegnung, Gemeinschaft, Ehrenamt und lebendiges Dorfleben.
Gemeinsam mit Staatssekretärin Stefanie Pötzsch, Ortsbürgermeister Jens Müller, Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Verwaltung, Planung und Bau sowie zahlreichen Gästen feierte Oberbürgermeister Daniel Szarata diesen wichtigen Meilenstein für Ströbeck.
Die Freude und auch die Erleichterung über den erfolgreichen Abschluss der aufwendigen Sanierung waren dabei deutlich zu spüren.
„Heute übergeben wir nicht einfach ein saniertes Gebäude. Wir geben den Ströbeckerinnen und Ströbeckern einen Ort zurück, an dem Gemeinschaft wachsen und gelebt werden kann. Hinter uns liegen Jahre mit vielen Herausforderungen, schwierigen Entscheidungen und Momenten, in denen wir gemeinsam nach Lösungen suchen mussten. Umso größer sind heute die Freude und auch der Stolz auf das, was hier entstanden ist. Dieses Bürgerhaus gehört jetzt den Menschen in Ströbeck – und ich wünsche mir, dass es über viele Jahrzehnte ein Ort voller Begegnungen, Ideen, Feste und schöner gemeinsamer Erinnerungen sein wird“, sagte Oberbürgermeister Daniel Szarata.
Von der Planung bis zur umfangreichen Sanierung
Der Weg bis zu diesem Tag war lang. Bereits im November 2019 wurde der Förderantrag gestellt, im Dezember 2020 folgte die Bewilligung. Über das Programm „Investitionspakt Soziale Integration im Quartier“ wurden insgesamt 1.796.400 Euro Fördermittel bereitgestellt. Davon stammen 1.497.000 Euro vom Bund und 299.400 Euro vom Land Sachsen-Anhalt. Die ursprünglich vorgesehenen Eigenmittel der Stadt beliefen sich auf 199.600 Euro. Zum Zeitpunkt des Baubeginns war ein Gesamtvolumen von 1.996.000 Euro vorgesehen.
Nach dem Beschluss des Hauptausschusses zur Sanierung am 21. Februar 2023 folgten die europaweite Ausschreibung der Planungsleistungen, der Bauantrag und die notwendigen Ausschreibungsverfahren. Am 19. Februar 2024 begannen schließlich die Bauarbeiten.
Doch wie so häufig bei historischen Gebäuden zeigte sich das ganze Ausmaß der notwendigen Arbeiten erst während der Sanierung. Der ursprüngliche Saal musste aufgrund statischer und holzschutztechnischer Probleme abgerissen werden. Eine besondere Herausforderung war zudem die Erkenntnis, dass das gesamte Gebäude über keine Fundamente verfügte. Außen- und Innenwände mussten deshalb aufwendig unterfangen werden.
Hinzu kamen weitere statische Probleme. Die Erdgeschossdecke musste komplett neu gebaut werden, die vorhandenen Dachsparren erwiesen sich als zu gering dimensioniert. Auch der historische Gewölbekeller stellte die Beteiligten vor eine anspruchsvolle Aufgabe. Nach Vorgabe des Denkmalschutzes musste dieser erhalten bleiben. Weil dadurch eine herkömmliche Unterfangung nicht möglich war, musste schließlich der gesamte Ostgiebel erneuert werden.
All das erforderte immer wieder neue Lösungen, Abstimmungen und zusätzliche finanzielle Mittel. 2025 bestätigte der Hauptausschuss Mehrkosten in Höhe von 390.000 Euro. Hinzu kamen 203.000 Euro Versicherungsentschädigung aus dem Brand des Schachmuseums. Die Gesamtkosten für die Sanierung belaufen sich schließlich auf 2.589.000 Euro.
Oberbürgermeister Daniel Szarata nutzte die feierliche Übergabe deshalb auch, um all jenen zu danken, die das Projekt über die vergangenen Jahre begleitet und möglich gemacht haben. Sein Dank galt insbesondere Bund und Land für die umfangreiche Förderung, aber auch den beteiligten Planungsbüros, Unternehmen, Handwerksbetrieben sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung. Ohne dieses Zusammenspiel und insbesondere ohne die Fördermittel wäre ein Projekt dieser Größenordnung für die Stadt Halberstadt nicht umsetzbar gewesen.
„Diesen Entschluss hat Ströbeck nicht bereut“
Für Ortsbürgermeister Jens Müller war die Übergabe zugleich ein Moment, um auf die Entwicklung des Schachdorfes als Ortsteil von Halberstadt zurückzublicken. Im Jahr 2009 habe die Frage im Raum gestanden, welcher Verwaltungsgemeinschaft sich Ströbeck anschließen werde. Die damalige Entscheidung für Halberstadt sei aus seiner Sicht bis heute die richtige.
„Den Entschluss, nach Halberstadt zu gehen, hat unser Ort Ströbeck nicht bereut. Für dieses Projekt braucht man einen starken Partner und den haben wir mit Halberstadt an unserer Seite. Und natürlich mit der Hilfe des Landes Sachsen-Anhalt“, sagte Ortsbürgermeister Jens Müller.
Das neue Bürgerhaus soll dabei ausdrücklich ein Haus der Ströbeckerinnen und Ströbecker werden. Deshalb ist auch nach Abschluss der großen Bauarbeiten noch Raum für Eigeninitiative. Einige Arbeiten und die weitere Ausgestaltung sollen bewusst gemeinsam mit den Einwohnerinnen und Einwohnern erfolgen.
„Es ist wichtig für das Gemeinwohl, dass ein Bürgerhaus auch von den Bürgern gestaltet wird. Diejenigen, die in diesem Gebäude ihre Arbeitskraft einbringen, werden es später auch pflegen und darauf achten, dass es so bleibt“, betonte Müller.
Selbst bei der Namensgebung der Räume ist die Dorfgemeinschaft gefragt. Am 6. September 2026 sollen im Rahmen der Landtagswahl Vorschläge der Ströbeckerinnen und Ströbecker gesammelt werden. So sollen auch die Namen der einzelnen Räume ein Stück Identifikation mit dem neuen Bürgerhaus schaffen.
Staatssekretärin kündigt Förderung für das Schachmuseum an
Staatssekretärin Stefanie Pötzsch zeigte sich bei ihrem Besuch beeindruckt vom Ergebnis der Sanierung und unterstrich die Bedeutung solcher Begegnungsorte gerade für das gesellschaftliche und ehrenamtliche Leben in den Gemeinden.
„Es ist wirklich ein wunderschönes Bürgerhaus geworden. Eine Gemeinschaft braucht einen Ort, wo man sich finden kann, wo man zusammenkommen kann, wo man die Gemeinschaft pflegt und Ehrenamt ausleben kann – gerade hier im Schachdorf mit dem Lebendschachensemble“, sagte Stefanie Pötzsch.
Doch mit dem Bürgerhaus endet die Entwicklung an diesem Standort nicht. Direkt angrenzend soll das neue Schachmuseum entstehen. Für Ströbeck ist dies von besonderer Bedeutung, nachdem das frühere Museum durch einen Brand zerstört worden war. Das fertiggestellte Bürgerhaus bildet dabei einen wichtigen Zwischenschritt für die weitere Entwicklung des Standortes.
Für dieses nächste große Vorhaben hatte die Staatssekretärin eine wichtige Nachricht mitgebracht: Für den Anbau des Schachmuseums wurden Fördermittel beantragt – und das Land will das Vorhaben unterstützen.
„Ich kann es hier sagen: Es wird auch dafür Fördermittel geben. Sobald das Finanzministerium die notwendigen Mittel freigegeben hat, kann es beginnen“, kündigte Pötzsch an.
Warum unterstützt ausgerechnet das Wirtschaftsministerium ein Schachmuseum? Diese Frage stellte die Staatssekretärin selbst – und gab unmittelbar die Antwort: Das Ministerium ist nicht allein für Wirtschaft zuständig, sondern auch für Landwirtschaft und Tourismus. Gerade unter touristischen Gesichtspunkten komme dem geplanten Schachmuseum eine besondere Bedeutung zu. Das Schachdorf Ströbeck mit seiner jahrhundertealten Schachtradition, dem Schachmuseum und dem Lebendschachensemble ist weit über die Region und die Landesgrenzen hinaus bekannt. Das künftige Museum soll diese einzigartige Tradition bewahren, erlebbar machen und zugleich die touristische Strahlkraft Ströbecks und Sachsen-Anhalts weiter stärken.
Damit ist die Unterstützung des Schachmuseums zugleich eine Investition in ein touristisches Angebot von überregionaler Bedeutung.
„Es ist wichtig, Geschichte aufzunehmen und Geschichte zu erleben. Wir schaffen damit ein Highlight für Sachsen-Anhalt, ein Highlight für Ströbeck, das die ganze Welt anziehen kann“, so Pötzsch.
Der Schlüssel wandert durch viele Hände
Ein besonders symbolischer Moment folgte am Ende des offiziellen Teils: die Schlüsselübergabe.
Zunächst übergab das Architekturbüro ARC den Schlüssel für das sanierte Bürgerhaus an Oberbürgermeister Daniel Szarata. Von ihm wanderte er weiter in die Hände von Ortsbürgermeister Jens Müller.
Doch auch dort sollte er nicht bleiben. Müller überreichte ihn schließlich an Jana Thomas und Maren Jacob, die ihn stellvertretend für das Lebendschachensemble entgegennahmen. Mitglieder des Ensembles begleiteten die feierliche Übergabe in ihren eindrucksvollen historischen Kostümen und machten damit einmal mehr sichtbar, wie eng die Identität Ströbecks mit seiner einzigartigen Schachtradition verbunden ist.
Die symbolische Reise des Schlüssels ist damit allerdings noch nicht beendet: Am 12. September 2026 soll er schließlich an diejenigen weitergegeben werden, für die das Haus saniert wurde – an die Bürgerinnen und Bürger des Schachdorfes Ströbeck.
Dann können sie ihr neues Bürgerhaus endgültig in Besitz nehmen, die Räume selbst mitgestalten und vor allem eines tun: sie mit Leben füllen.
Nach einer langen und nicht immer einfachen Baugeschichte beginnt damit für das Bürgerhaus ein neues Kapitel – als Treffpunkt für Generationen, als Heimat für Vereine und Ehrenamt und als Ort für die Gemeinschaft im Schachdorf Ströbeck.
Fotos: Stadt Halberstadt/ Jeannette Schroeder
©Stadt Halberstadt, 24.08.2026
