Von Lego-Technik bis zum Magnet-Turm: Goetheschule zeigt, wie Begabungsförderung gelebt wird

20 Pädagoginnen und Pädagogen aus ganz Sachsen-Anhalt informieren sich in Halberstadt über das besondere Konzept der Grundschule

Wie kann Schule Kinder dabei unterstützen, ihre ganz eigenen Talente und Interessen zu entdecken und weiterzuentwickeln? Antworten darauf gab es jüngst in der Grundschule Goetheschule in Halberstadt. Schulleiterin Conny Henke begrüßte 20 Pädagoginnen und Pädagogen aus ganz Sachsen-Anhalt, unter anderem aus Stendal, Leuna, Magdeburg und Staßfurt. Die künftigen Lernbegleiter waren nach Halberstadt gekommen, um sich über die Begabungsförderung an der Goetheschule zu informieren.

Denn: Mit 201 Schülerinnen und Schülern in zehn Klassen gehört die Goetheschule seit 2018 dem Verbund „Leistung macht Schule“ (LemaS) an. LemaS ist ein bundesweites Forschungs- und Schulentwicklungsprojekt, das im Rahmen einer gemeinsamen Initiative von Bund und Ländern umgesetzt wird. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die Potenziale und Stärken von Schülerinnen und Schülern erkannt und gezielt gefördert werden können.

Die Goetheschule arbeitet dabei gemeinsam mit weiteren Schulen und Forschungspartnern an der nachhaltigen Verankerung von Potenzial- und Begabungsförderung in Schule und Unterricht. Ziel ist es, allen Kindern und Jugendlichen – unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder sozialem Status – die Möglichkeit zu geben, ihre individuellen Begabungen bestmöglich zu entwickeln. Damit sollen gerechte Lern- und Bildungschancen für alle geschaffen werden.

„Kinder sind unterschiedlich – und genau das ist ihre Stärke“, machte Schulleiterin Conny Henke deutlich. Für sie gehört es zu den Kernaufgaben von Schule, die individuellen Fähigkeiten der Kinder zu erkennen und ihnen entsprechende Lern- und Entwicklungsräume zu eröffnen.

Dass dieses Konzept im Schulalltag lebendig ist, konnten die angehenden Lernbegleiter unmittelbar erleben. Schülerinnen und Schüler stellten ihre Projekte vor und zeigten, woran sie entsprechend ihrer persönlichen Interessen arbeiten. Wer beispielsweise eine besondere Begeisterung für Lego mitbringt, kann diese in der Lego-Technik-Schule nutzen, um räumliches Denken, Koordination und dreidimensionales Vorstellungsvermögen zu trainieren. Andere Kinder finden ihre Stärken eher im kreativen Schreiben, im Erzählen, im Programmieren oder im Modellbau.

Die Kinder können dabei ihren Interessen entsprechend unterschiedliche Schwerpunkte wählen und eigene Ideen verfolgen. „Es ist sehr effektiv, so zu arbeiten“, betonte Henke. Die Schülerinnen und Schüler würden dadurch nicht nur gefördert, sondern auch in ihrer Eigenständigkeit und ihrer Freude am Lernen gestärkt.

Ein besonderes Beispiel dafür ist die Schreibteufel-Geschichtenwerkstatt der Goetheschule, die beispielsweise bei Wettbewerben von den 35 ehrenamtlichen Lesepatinnen und Lesepaten unterstützt wird. Sie begleiten die Kinder idealerweise von der ersten bis zur vierten Klasse. „Unsere Lesepaten sind beinahe schon Lebenspaten“, erläuterte Henke. Denn die Erwachsenen sind für die Kinder weit mehr als Unterstützung beim Lesen: Sie sind feste Ansprechpartner, hören zu, ermutigen und entwickeln über die Jahre eine enge persönliche Bindung zu „ihrem“ Kind.

Eine dieser Lesepatinnen ist Martina Burow. Die 74-Jährige war früher im Hort tätig und engagiert sich inzwischen seit 15 Jahren als Lesepatin an der Goetheschule. Einmal in der Woche verbringt sie zwei Stunden mit ihrer festen Klasse. Längst ist sie zu einem festen Bestandteil des Schullebens geworden.

Für die Besucher aus ganz Sachsen-Anhalt war der Vormittag damit nicht nur eine theoretische Fortbildung. Sie konnten unmittelbar erleben, wie individuelle Begabungsförderung funktionieren kann – und wie viel Freude Kinder daran haben, ihren eigenen Interessen nachzugehen.

Schulleiterin Conny Henke sieht gerade im Austausch mit anderen Pädagoginnen und Pädagogen einen wichtigen Baustein für die Weiterentwicklung von Schule. Auch sie selbst habe in ihrer beruflichen Laufbahn immer wieder wertvolle Impulse von Kolleginnen und Kollegen erhalten. „Man kann viel und vorallem viel Neues voneinander lernen“, lautet deshalb eine ihrer zentralen Überzeugungen.

Der Besuch machte deutlich: Begabungsförderung bedeutet an der Goetheschule nicht, Kinder in Schubladen zu stecken. Vielmehr geht es darum, ihnen Räume zu eröffnen, in denen sie neugierig sein, ausprobieren, forschen und ihre eigenen Stärken entdecken können. Dass dieses Konzept inzwischen Pädagoginnen und Pädagogen aller Schulformen aus ganz Sachsen-Anhalt nach Halberstadt führt, zeigt, wie wertvoll der Erfahrungsaustausch über erfolgreiche Wege der individuellen Förderung sein kann.

 

© Stadt Halberstadt, 28.09.2026

Fotos: Pressestelle/Sabrina Krug

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