Von Perücken, Dichtern und Freundschaft: Kinder entdecken das Gleimhaus

Gleimhaus und Goethehort vereinbaren regelmäßige Zusammenarbeit / Kooperation soll die „Schule der Humanität“ und Gleims Idee von Freundschaft für Kinder erlebbar machen

Wie wird man eigentlich ein Dichter? Und was hat ein Dichter mit Freundschaft und Menschlichkeit zu tun? Diesen Fragen gingen sechs Vertreter des Hortrates der Halberstädter Goethegrundschule bei einem Besuch im Gleimhaus nach. Gemeinsam mit ihrer Hortleiterin Doreen Otto lernten sie das Museum und seinen Namensgeber Johann Wilhelm Ludwig Gleim kennen. Der Besuch bildete zugleich den Auftakt einer künftig regelmäßigen Zusammenarbeit zwischen dem Hort und dem Gleimhaus.

Bei einer Führung durch das Museum gab es für die Kinder einiges zu entdecken. Besonders spannend war die Möglichkeit, in die vergangene Zeit einzutauchen: Perücken und Hüte aus der Epoche Gleims standen zur Auswahl und durften aufgesetzt werden. So wurde Geschichte nicht nur erzählt, sondern auch ein Stück weit erlebbar.

„Wisst ihr eigentlich, was ein Dichter macht?“, fragte Gleimhaus-Direktorin Dr. Ute Pott zur Begrüßung die Kinder. „Gedichte schreiben“, lautete prompt die Antwort. Doch Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719–1803) hatte noch weit mehr Interessen. Der Halberstädter Dichter und Sammler trug mit großer Leidenschaft Briefe, Bilder und Bücher zusammen. Seine Sammlung ist heute ein bedeutender Bestandteil des Gleimhauses.

Besonders am Herzen lag Gleim die Freundschaft. Im 18. Jahrhundert galt sie als ein zentraler Wert des kulturellen Lebens und des aufgeklärten Bürgertums. Gleim pflegte zahlreiche Freundschaften, viele davon mit anderen Dichtern und bedeutenden Persönlichkeiten seiner Zeit, darunter Lessing, Klopstock und Herder. Mehr als 120 seiner Freunde ließ er porträtieren. Seine Bildersammlung nannte er liebevoll den „Freundschaftstempel“. Dieser ist noch heute im Obergeschoss des Gleimhauses zu besichtigen. Gleim zeigte damit, dass Freundschaft für ihn weit mehr war als ein schönes Wort: Sie war eine Lebenshaltung.

Auch mit seinem Wirken verband Gleim eine besondere Idee: Er wollte eine „Schule der Humanität“ schaffen. Dabei ging es ihm um Menschlichkeit, Toleranz und einen respektvollen Umgang miteinander. Freundschaft und Menschlichkeit gehören dabei eng zusammen. „Ziemlich gute Idee, oder?“, befand Ute Pott und machte deutlich, warum dieser Gedanke auch heute noch wichtig ist: „Gleim wollte eine Schule schaffen, in der nicht nur Wissen vermittelt wird, sondern Menschen lernen, menschlich miteinander umzugehen. Und genau damit kann man gar nicht früh genug anfangen: Kinder, die lernen, sich in andere hineinzuversetzen, entwickeln Verständnis, Rücksichtnahme und Respekt. Sie lernen, dass jeder Mensch Gefühle hat, jeder dazugehört und jeder wertvoll ist. So wird aus Gleims Idee der Humanität eine ganz konkrete Erfahrung im Alltag der Kinder.“

Genau daran knüpft die nun vereinbarte Kooperation an. In einer Kooperationsvereinbarung haben der Hort der Goethegrundschule und das Gleimhaus ihre Zusammenarbeit festgeschrieben. Ziel ist es, Gleims Idee der Schule der Humanität in den Schulbiografien der Kinder zu verankern. Dafür sollen jährlich gemeinsame Projekte mit wechselnden Programmen stattfinden – mal im Gleimhaus, mal direkt im Hort. Auch kreative Angebote im Hort sind vorgesehen.

Dass es nicht bei einem einmaligen Besuch bleiben soll, stand für die Beteiligten schnell fest: „Wir kommen jetzt immer wieder!“, waren sich alle einig. Auch Ute Pott kündigte an: „Und dann schreiben wir alles, was wir hier gemeinsam Spannendes entdecken und erleben, auf.“

Damit ist der Anfang gemacht: Die Kinder der Goethegrundschule sollen Gleim, seine Sammlung und vor allem seine Ideen von Freundschaft und Menschlichkeit künftig immer wieder auf lebendige und kreative Weise kennenlernen. Denn was könnte besser zu einer Grundschule und ihren Kindern passen als die Erfahrung, dass Freundschaft Menschen verbindet.

Fotos: Jeannette Schroeder, Stadtmarketing

(c) Stadt Halberstadt, 06.11.2026

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