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Verborgene Schätze im Museumsmagazin – Ein Bücherschatz für Oschersleben

[(c): Stadtmarketing/Öffentlichkeitsarbeit]

Im Rahmen umfangreicher Provenienzrecherchen zu den Objekten im Städtischen Museum kommen immer mal wieder Dinge zu Tage, die an andere Orte gehören und dort schon länger als vermisst gelten oder fast aus dem lokalen Gedächtnis verschwunden waren. Hierfür werden aktuell die Museumsbestände, die teils über mehrerer Gebäude, Magazine und Dachböden verteilt lagern, unter museologisch modernen Aspekten grundlegend neu gesichtet.

So erging es unserer Museumsbibliothekarin Katrin Wohlmann, als sie nicht nur auf über 380 Bücher - darunter etliche hochwertige Handschriften und historische Drucke des 17. und 18. Jahrhunderts - mit fremden Bibliotheksstempeln stieß, sondern auch auf originale Handakten samt Inventarbuch, die dem ehemaligen „Heimatmuseum des Kreises Oschersleben“ zuzuordnen sind.

Dieses wurde in den 1960er Jahren aufgelöst und seine Sammlung und Akten verstreut auf andere Einrichtungen verteilt.

Im Hintergrund standen thematisch orientierte Neuausrichtung und Zentralisierung des Museumswesens in der DDR.

Die Nachfolgeinrichtung des Kreismuseums Oschersleben ist heute das Bördemuseum Burg Ummendorf. Dessen Leiterin, Frau Dr. Nadine Panteleon, hat mit dem Halberstädter Museumsteam am 16. August 2021 die Schätze vor der Presse im Außenmagazin ausgehoben. Ein Großteil der Bücher wurde damit erstmals seit mehreren Jahrzehnten gesichtet.

Neben etlichen bunten Bibeldrucken aus dem 17. und 18. Jahrhundert befinden sich unter dem Konvolut von 10 großen Kisten etliche bemerkenswerte Stücke, darunter über 400 Jahre alte Handschriften mit Rechnungsbüchern und Kornverzeichnissen der Vorwerke Ballenstedt oder der Gemeinde Hamersleben, landwirtschaftliche Lexika des 18. Jahrhunderts als Komplettausgabe aus Schulenburgschen Gütern sowie Ausgaben mit handschriftlichen Widmungen Wilhelm von Bodes oder aus dem Umfeld der Familie Rimpau.

Damit stellt dieser Bücherschatz einen bisher als verloren geltenden Teil des kulturelles Gedächtnisses der Börderegion und ihrer landwirtschaftlich geprägten Gemeinden dar, das wesentlich zum Verständnis der historischen Bedeutung dieser Region beitragen kann.

Mit der heutigen Sichtung ist der erste Schritt getan, um gemeinsam, transparent und gut dokumentiert die weitere Erforschung dieses Schriftenschatzes voranzutreiben und somit eine Basis für die Entscheidung zur Art und Weise der Rücknahme treffen zu können.

Mit dem Sammlungsbereich Archäologie gab es solche Zusammenarbeit zur Provenienzforschung mit dem Bördemuseum schon vor Jahrzehnten schon, an die nun durch den Sammlungsmitarbeiter Tobias Schoo ebenso angeknüpft werden soll.

Es ist angedacht, diese und weitere Schätze auch im Rahmen einer kleinen Kabinettausstellung in Halberstadt der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Fotos: Dr. Nadine Panteleon, Leiterin des Bördemuseum Burg Ummendorf zeigt einen Druck des 19. Jh. mit persönlicher Widmung aus dem Umfeld der Familie Rimpau (im Hintergrund Archäologe Tobias Schoo und Frau Dr. Antje Gornig, Leiterin des Städtischen Museums Halberstadt)

Video: https://youtu.be/fm3jXEQ8ZdA

Stadt Halberstadt/Pressestelle, 17.08.2021

© Jeannette Schroeder E-Mail

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