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Urlaub in Halberstadt

Aufschwung in Tourismusbranche trotz Corona-Krise

[(c): Sandra Reulecke, Volksstimme]
Ein Foto vom Dom darf für Halberstadt-Touristen wie Patricia Lob (48) und Björn Zaddach (60) nicht fehlen. Das Ehepaar und seine beiden Kinder stammen aus der Nähe von München. Zwei Wochen lang erkunden sie den Harz, übernachtet wird in Braunlage.

Bei allem Negativen, das Corona mit sich bringt, gibt es auch positive Trends während der Pandemie zu beobachten. So ist Halberstadt in den vergangenen Monaten deutlich in der Besuchergunst gestiegen. Das sind die Gründe.

„Unser Image ist gerade ein gutes Verkaufsargument“, sagt Monika Klytta, stellvertretende Leiterin der Tourist Information Halberstadt. „Halberstadt gilt als ruhigere, nicht so überlaufene Stadt.“ Und das sei genau das, was sich viele dieser Tage für ihren Urlaub wünschen. In Zeiten von Corona, von Reisewarnungen und -verboten entdecken viele Deutsche ihr eigenes Land als Urlaubsregion. „Aber viele wollen nicht dahin, wo es ohnehin immer voll ist“, so Monika Klytta.

So wundert es nicht, was derzeit am häufigsten über die Verkaufstheke in der Tourist-Information geht: „Wanderpässe und Wanderkarten sind am meisten gefragt“, informiert die Tourismus-Expertin. Mehr als 700 seien seit Beginn des Jahres verkauft worden „Von Einheimischen wie von Touristen.“ Es ziehe die Leute vermehrt in die Natur, wo es leicht ist, den Corona-Abstand einzuhalten und auf Mund-Nasen-Masken verzichtet werden kann. Doch auch die Innenstadt weckt Interesse. „Jeden Morgen füllen wir die Stadtpläne auf und mittags ist der Behälter schon wieder leer“, berichtet Monika Klytta zufrieden.

Im Frühjahr sahen sie und ihre Kollegen noch schwarz für dieses Jahr. Zwischen März und Mai waren sie beinahe ausschließlich mit Absagen und Stornierungen beschäftigt. Ein Hoffnungsschimmer: „Viele Gruppenreisen wurden auf 2021 umgebucht.“

Gruppenreisen sind noch immer ein Segment, dass trotz Lockerungen der Corona-Regeln nur vorsichtig anlaufe. „Die Vorschriften sind noch immer streng, das schreckt ab“, sagt Monika Klytta. „Außerdem darf man nicht vergessen, dass viele der Teilnehmer solcher Reisen zur Risikogruppe gehören.“ Dennoch haben sich die Besucherzahlen insgesamt seit Juni gut erholt – insbesondere im Bereich der Individualtouristen.

Das berichtet auch Pierre Zimny. Er ist der Leiter der Zuckerfabrik, zu der das Hotel „Ambiente“ gehört. Statt wie sonst Gruppenreisende seien es derzeit vermehrt Paare und Familien, die dort übernachten. „Wir hatten schon immer viele Motorradfahrer bei uns, aber es sind seit Corona deutlich mehr“, so Zimny. An den Wochenenden seien nicht selten alle 74 Zimmer gebucht.

Für viele der Gäste gehört offensichtlich ein Besuch des Doms dazu. „Für den Domschatz liegen sehr erfreuliche Zahlen vor“, sagt Monika Klytta. Trotz verringerter Öffnungszeiten und coronabedingter Zwangspause sei die Besucherzahl insgesamt im Vergleich zu 2019 beinahe gleich. „Im Juni kamen sogar 700 Besucher mehr als im Juni des Vorjahres, im Juli waren es sogar mehr als 2000 Besucher mehr.“

Auch für die vierköpfige Familie Lob/Zaddach aus der Nähe von München steht der Besuch des Doms auf der Agenda. „Wir haben vorher angerufen und einen Termin vereinbart“, berichtet Björn Zaddach. Bis die Tour durch den Schatz beginnt, schauen sie sich in der Stadt um. „Es gefällt uns hier“, sagt der 60-Jährige. Während die Töchter durch die Geschäfte bummeln, interessiert er sich für das John-Cage-Orgelprojekt. Die Familie wolle zwei Wochen lang den Harz erkunden, in Halberstadt sind sie nur für einen Tagesausflug. Monika Klytta würde es nicht wundern, wenn die vier im kommenden Jahr wiederkommen. „Es ist nicht selten, dass Tagestouristen, die sich bei uns über Ausflüge informieren, feststellen, dass ein Tag in Halberstadt nicht reicht und einen längeren Aufenthalt buchen wollen.“

Wie sieht er eigentlich aus, der typische Halberstadt-Tourist? „Er kommt aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Raum Brandenburg/Berlin oder Sachsen-Anhalt, ist meist mittleren Alters und verfügt oft über ein gutes Einkommen“, informiert die Expertin. Das sei ein anspruchsvolles Publikum, „das bei den Nischenangeboten in Halberstadt wie dem Literaturmuseum oder Cage auf seine Kosten kommt“.

Der Hunger nach Kultur und Abwechslung sei groß, sagt Monika Klytta. So seien Veranstaltungen und Führungsangebote der Tourist Information und deren Partner sehr gefragt. Knapp 700 verkaufte Veranstaltungstickets wurden bereits gezählt. Zum Vergleich: 2019 waren es rund 1300.

Doch trotz des Wunsches, etwas zu erleben, seien die Urlauber vorsichtig. Corona sei nicht aus den Köpfen verschwunden. Zu spüren sei dies unter anderem an der Wahl der Beherbergungsform. „Wohnmobile, Camping und Ferienwohnungen sind gefragter als sonst“, ist der Eindruck von Monika Klytta. Mit aktuellen Zahlen vom Statistischen Landesamt könne sie das noch nicht belegen. „Die liegen erst bis Stand Mai 2020 vor.“

David Neubert kennt seine aktuellen Zahlen dagegen schon. „Wir hatten 2000 bis 3000 Besucher mehr von Januar bis Juli“, berichtet der Chef des Halberstädter Tiergartens. Das Ergebnis sei umso erfreulicher in Anbetracht dessen, dass die Anlage fünf Wochen lang coronabedingt geschlossen bleiben musste. „Wir erheben zwar keine Postleitzahlenanalyse, aber es sind viele Touristen unter den Besuchern.

Ein Trend, von dem sich Klytta erhofft, dass er sich insgesamt für Halberstadt fortsetzt. „Das Halten des Vorjahresniveaus trotz der Corona-Ausfälle wäre ein Riesenerfolg“, sagt sie. Mit 103685 Übernachtungen hat Halberstadt 2019 nicht nur das bisher beste Ergebnis in diesem Bereich erreicht, sondern auch eine Steigerung von 10,8 Prozent zu 2018. „Das liegt weit über dem Landesdurchschnitt“, so Monika Klytta. „Auch die durchschnittliche Aufenthaltsdauer konnte erstmals auf 2,0 Tage gesteigert werden.“

Dass ähnliche Ergebnisse in diesem Jahr erreicht werden, hänge nicht zuletzt von der Adventszeit ab. „Wir schauen voller Spannung Richtung Weihnachten, ob die geplanten Veranstaltungen stattfinden können oder ausfallen müssen“, so Monika Klytta. „Zum Beispiel die Weihnachtshöfe sind mittlerweile überregional bekannt und locken Touristen aus ganz Deutschland.“ Fällt die Veranstaltung aus, zeige sich das auch in der Tourismus-Statistik.

Bild und Text: Halberstädter Volksstimme, Ausgabe vom 20.08.2020, Sandra Reulecke

© Anja König E-Mail

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