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Spitz aufeinander: Schlitzblättrige Eiche und Stieleiche

Vermehrungsaktion für seltenen Baum im Gutspark Mahndorf gestartet / Jungbäume sollen 2021 ausgepflantzt werden

[(c): Volksstimme, Jörg Endries]


Baumhochzeit im Gutspark Mahndorf. Der Reiser (Zweig) einer Schlitzblättrigen Eiche wird auf eine kleine Stieleiche gepfropft. Die „Ehe“ schließt Steffen Topf, seines Zeichens Gärtner, und seine Kollegin Sandra Lohmann-Kunze von der Mitteldeutschen Baumschulen GmbH Reinstedt. Zweck der neuen Verbindung ist, einen vom Aussterben bedrohten Baum, die Schlitzblättrige Eiche, zu retten. Spezialisten einer Baumschule aus Sachsen-Anhalt und von der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Ditfurt haben das Projekt entwickelt, um den Baum gezielt zu vermehren.

Der Grund für ihre Seltenheit: Die Schlitzblättrige Eiche wächst extrem langsam. Die etwa 150 Jahre alten Exemplare im Guts-Park Mahndorf messen im Umfang gerade einmal 90 Zentimeter, eine gleichaltrige benachbarte Säuleneiche hingegen 3,60 Meter. Daher sei dieser Baum für die Holzwirtschaft nicht interessant.

Im unter Denkmalschutz stehenden Gutspark vor den Toren Halberstadts sind noch drei der mittlerweile sehr seltenen Schlitzblättrigen Eichen zu finden. In den übrigen Grünanlagen der Stadt gar nicht mehr, betont Roswitha Hutfilz von der Abteilung Stadtgrün. In Mahndorf waren es einmal vier. Ein Baum ist bereits abgestorben. Wie lange die übriggebliebenen noch gute Reiser für eine erfolgreiche Vermehrungsaktion liefern, steht in den Sternen. Im ungünstigsten Fall sterben die Bäume sehr schnell. Entweder fallen sie einem Sturm zum Opfer oder einem aggressiven Baumpilz.

Ein Beispiel dafür ist die ebenfalls sehr seltene Süntelbuche. Im Gutspark Mahndorf stand davon noch ein Exemplar. Das sollte ebenfalls Reiser für eine Vermehrungsaktion liefern. „Bereits 2016 sind die jungen Blätter kurz nach dem Austrieb plötzlich abgestorben. 2017 gab es nur einige wenige junge Austriebe im Kronenbereich. Sie waren unsere letzte Hoffnung für eine gezielte Vermehrung“, berichtet Roswitha Hutfilz. Doch dann starb die Buche rasend schnell ab, bedauert Roswitha Hutfilz. „Ich vermute, der Brandkrustenpilz hat den Baum auf dem Gewissen.“

Altbäumen werden 40 Reiser entnommen

Um den grünen Schatz, die Schlitzblättrige Eiche, zu retten, hat die Stadtverwaltung Halberstadt eine Rettungsaktion gestartet. Finanziell ermöglicht das Projekt die Allianz-Umweltstiftung, die zwei Drittel der Kosten spendet, und die Allianz-Bürogemeinschaft Jeannette Stach /Jörg Anspieler aus Halberstadt, die ein Drittel der Vermehrungsaktion übernimmt. „Wir sprechen insgesamt von einem mittleren vierstelligen Betrag“, informiert Jörg Anspieler.

„Den Bäumen werden insgesamt 40 Reiser entnommen. Nach der Veredlungsaktion wissen wir spätestens im Frühjahr, ob sie erfolgreich war“, erklärt Sandra Lohmann-Kunze. Die Erfolgschance liegt bei 60 bis 70 Prozent. „Also ganz gut“, schätzt die Fachfrau ein. Zur 2021 geplanten Auspflanzung sind die Bäume etwa zwei Meter groß. Im Gutspark Mahndorf soll ein neuer Baum gepflanzt werden, informiert Roswitha Hutfilz.

Roswitha Hutfilz hofft, dass sich mehr als ein Baum aus den Veredelungen entwickelt. Die Exemplare, die die Stadt nicht benötigt, sollen verkauft werden. Da diese Art nur sehr selten vermehrt wird, wisse man nicht, wie groß die Bäume im Herbst 2021 sein werden. Die Baumgröße sei aber ein entscheidendes Kriterium für die Preisbildung. Den Erlös könnte man in die Unterhaltung des Gutsparkes stecken, um die Wege zu erneuern.

Neue Süntelbuche wird gepflanzt

Übrigens: Eine Süntelbuche wird es im Gutspark wieder geben. Der abgestorbene Baum wird bis Ende Februar gefällt. „Wir tragen das Erdreich großflächig ab, damit die Gefahr einer Infektion des neuen Baumes mit dem Brandkrustenpilz möglichst klein gehalten wird“, sagt Roswitha Hutfilz. Allerdings muss der neue Baum teuer gekauft werden. Kleine Exemplare fangen bei etwa 500 Euro an, so Roswitha Hutfilz. Größere, etwa fünf Meter hoch, kosten über 2000 Euro. Einen Nachteil hat der Neue. Er kann nicht auf den sprichwörtlich alten Stammbaum verweisen.

© Jeannette Schroeder E-Mail

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