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Lokale Militärgeschichte – die Harzer Infanterie

[(c): Foto: Sammlung Heinz A. Behrens] ©Foto: Sammlung Heinz A. Behrens

Unter dem Titel: Das „Harzer“ Infanterieregiment während des 18. Jahrhunderts in den Städten Halberstadt und Quedlinburg - eine Synthese zwischen Zivil- und Militärgesellschaft wird am 17. April 2019 der profunde Kenner Heinz A. Behrens aus Thale die Problematik einer Garnisonsgesellschaft in den Städten Halberstadt und Quedlinburg am Beispiel dieses preußischen Regimentes, welches 93 Jahre lang das bürgerliche Leben maßgeblich bestimmte, näher beleuchten.

Auf der Grundlage überlieferter Akten untersucht und interpretiert Heinz Behrens die wechselvolle Geschichte.

 

In dem betreffenden Zeitraum von 1713 - 1806 gab es in beiden Städten noch keinerlei Kasernenbauten, so dass alle Regimentsangehörigen bei den Stadtbürgern einquartiert waren. Dies führte anfangs zu mancherlei Konflikten, die aber letztlich eine gelungene Integration erkennen lassen.

Die Spurensuche in beiden Städten, so Behrens, gestaltet sich äußerst schwierig, der gesamte Aspekt einer sozial ausgewogenen Garnisonsgesellschaft ist entweder durch nationalistische Überhöhungen oder ideologische Verirrungen nahezu völlig aus dem gegenwärtigen Bewusstsein verschwunden. Wenn man bedenkt, dass der Anteil der einquartierten Soldaten 16 bis 18 % der Gesamtbevölkerung der Städte ausmachte, der wirtschaftliche Vorteil für die Bürgerschaft enorm und der gesamte Tagesablauf vom Dienstablauf des Regimentes abhängen konnte, wird deutlich, wie stark das Militär das bürgerliche Leben im 18. Jahrhundert geprägt hat.

Begriffe wie Serviswesen, Akzise oder der Regimentskanton werden anhand originaler Akten erläutert und durch zeitgenössische Bilder illustriert. Erstaunliche Erkenntnisse sind über das Leben der Soldatenfrauen durch moderne Forschungen erbracht und in den Vortrag mit eingearbeitet. Die Übernahme von Wacht- und Polizeiaufgaben durch das Regiment sicherte das Gemeinwesen sowie die Handelstätigkeit wirkungsvoll ab.
All diese Aspekte wurden bislang durch die allzu populäre und überhöhte Behandlung preußischen Kriegswesens überdeckt und sind völlig zu Unrecht in den Hintergrund getreten.

Ein interessanter Vortrag erwartet die Besucher am 17. April 2019, um 19.00 Uhr im Städtischen Museum Halberstadt. Um Voranmeldung unter 03941/551474 wird gebeten.

(Text: Dr. Antje Gornig/Städtisches Museum Halberstadt)

FOTO 1: Halberstädter Grenadiere beim verbotenen Glücksspiel im Wachlokal
(Foto: Sammlung Heinz A. Behrens)

FOTO 2: Hof der Infanteriekaserne am sogenannten Ebereschenhof in Halberstadt
Erst 1909 konnten die Kasernen bezogen werden. Vorher wohnten die Soldaten in Privatunterkünften und sogenannten Privatkasernen
(Foto: Sammlung: Städtisches Museum Halberstadt)

Stadtverwaltung Halberstadt / Pressestelle /09.04.2019

© Alina Sternke E-Mail

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