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Halberstädter Firma für Medizintechnik drängt auf chinesischen Markt

[(c): Martin Weigle]

Sana One begann seine Firmengeschichte im Gründerzentrum Halberstadts. Dass das Unternehmen noch immer an diesem Standort ist, hat wichtige Gründe.

Zu den rund 30 Firmen aus dem Bereich Kunststoff- oder Medizintechnik mit Sitz in Halberstadt gehört auch Sana One. Obwohl das Unternehmen in seiner heutigen Form erst 2016 gegründet wurde, hat es bereits eine fast 20-jährige Firmengeschichte, fußt es doch auf einem Vorgänger namens Uroking. Bei sana One werden vornehmlich Harnleiterimplantate, sogenannte Urethaschienen, produziert. Diese sollen im Fall einer Erkrankung sicherstellen, dass die Harnwege des Patienten nicht verstopfen und der Urin ausgeschieden werden kann. Die Firma hat sich mit diesem Produkt bereits auf dem deutschen Markt etabliert und versucht, auch auf internationalem Parkett Fuß zu fassen. Es gibt bereits Abnehmer in Österreich und der Schweiz.

Der chinesische Markt sei sehr interessant, versichert Stefan Bradaric,  einer der beiden Geschäftsführer. Er berichtet, dass die Zulassungsprozedur in China sehr kompliziert und langwierig ist. Deutlich länger als auf dem europäischen Markt. Deshalb versuche die Firmenleitung, in Kooperation mit einem chinesischen Unternehmen die Produkte aus Halberstadt auf den dortigen Markt zu bringen.

Stefan Bradaric ist erst seit Januar in Halberstadt. Der gebürtige Oberbayer hat sich mit mehrjähriger Verspätung für ein Engagement in der Domstadt entschieden und für den Wechsel zu Sana One. In seinen Augen ist es ein deutsches Unternehmen mit großer Expertise und Erfahrung. Angebote zu wechseln, gab es schon früher. „Die damalige Firmenleitung hat sich bereits 2003 sehr bemüht, mich in den Harz zu holen“, sagt er. Damals habe es aber einfach noch nicht gepasst. In dem mittelständischen Unternehmen sind an beiden Standorten insgesamt 30 Angestellte beschäftigt. Alle ausgestattet mit unbefristeten Arbeitsverträgen. „Ich halte nichts von befristeten Arbeitsverhältnissen“, sagt Bradaric. Seine Tauglichkeit beweise ein Angestellter doch bereits während der Probezeit. Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete Sana One einen Umsatz von circa 2,5 Millionen Euro und produzierte etwa 60 000 Urethaschienen.

Standort-Bekenntnis

Die Produktion der Schienen verläuft weitgehend in Handarbeit. Die Rohmaterialien werden zwar maschinell gefertigt, aber die Endproduktion sowie die Qualitätskontrolle der Produkte erfolgt durch die Mitarbeiter. Der Standort Halberstadt steht für die Firmenleitung nicht zur Diskussion. „Wir mussten zwar das Teillager in der Rabahne schließen, das hatte aber ausschließlich organisatorische Gründe“, erklärt Bradaric. Das Hauptlager sei in Rosenheim, der Vertrieb erfolgt hauptsächlich von dort aus. Um Arbeitsabläufe und Kommunikation zu optimieren, habe man die Schließung des Teillagers in Halberstadt beschlossen. Einen allgemeinen Standortwechsel schließt man bei Sana One aber aus. Aus gutem Grund, wie Bradaric erklärt. Bei Herstellern, die sogenannte Reinräume benötigen, gibt es sehr strenge gesetzliche Vorgaben. Diese müssen durch unabhängige Prüfer sichergestellt werden. Dieses Prüfverfahren dauert mindestens ein Jahr. Ein Jahr, in dem nicht produziert werden könnte. Ein zu großes finanzielles Risiko für die Firma.

Nachhaltigkeit und Wachstum stehen bei der Firmenleitung auf der Agenda, vor allem mit Blick auf das Personal. Einen ehemaligen Auszubildenden hat man bereits übernommen. Einen jungen Mann aus Aschersleben, der an der Magdeburger Uni studiert, versuche man jetzt an sich zu binden. Marian Spath hat bereits seine Bachelorarbeit bei Sana One geschrieben, arbeitet derzeit als Werksstudent in der Firma und bereitet gerade seine Masterarbeit vor. Wenn diese fertiggestellt und sein Studium beendet ist, rechnen die Geschäftsführer damit, dass Spath Ende des kommenden Jahres dann ganz zur Halberstädter Belegschaft gehört.

Kooperation

Für das Unternehmen mit Standorten in Halberstadt und im oberbayrischen Rosenheim sei es eine große Herausforderung, in dem sich schnell entwickelnden Feld der Medizin auf dem neuesten Stand zu bleiben, so Bradaric. Deshalb arbeitet man seit Längerem mit der medizinischen Fakultät der Otto- von-Guericke-Universität in Magdeburg zusammen. Dort gibt es einen Lehrstuhl für intelligente Katheter (INKA). Man befinde sich in stetem Austausch mit dem Medizinerteam um Professor Michael Friebe, um auf deren Erfahrungen mit dem Einsatz der Urethaschienen und sich daraus ergebenden neuen Produktanforderungen rasch reagieren zu können.

 

Quelle:
Volksstimme
Halberstädter Tageblatt, Ausgabe von Freitag, 1. November 2019
Magdeburger Verlags- und Druckhaus GmbH
39104 Magdeburg
Bahnhofstraße 17

© Danny Keil E-Mail

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