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Kinder – eine Herzensangelegenheit

[(c): Jörg Endries]

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) zeichnet am heutigen Mittwoch engagierte Bürger aus. Unter ihnen befindet sich die Halberstädterin Bärbel Herre. Von Jörg Endries


Halberstadt l Post aus Berlin hat Bärbel Herre vor Kurzem bekommen. Das allein ist zwar noch keine Nachricht in der
Volksstimme wert. Ist das Bundespräsidialamt der Absender, dann allerdings schon. Die Freude bei Bärbel Herre ist groß - sie ist am heutigen Mittwoch im Schloss Bellevue in Berlin zu Gast beim Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier (SPD). Aus seinen Händen erhält sie das Verdienstkreuz am Bande. Die Halberstädterin wird für ihr Engagement bei der Flüchtlingshilfe und vor allem für die Arbeit mit Kindern ausgezeichnet. „Für viele Familien ist sie die Brücke zur Integration. Ein großes Anliegen ist es ihr dabei, Kinder unterschiedlichster Herkunft bei gemeinsamen Aktivitäten zusammenzubringen“, heißt es aus dem Bundespräsidialamt anlässlich der Ordensverleihung.

Trotz der Freude, der Orden ist Bärbel Herre gar nicht so wichtig, wie sie zugibt. Sie freut sich vielmehr mit ihrem Mann auf die Führung durch den Sitz des Bundespräsidenten. Typisch Bärbel Herre. Der Rummel, der mit der Auszeichnung verbunden ist, passt ihr nicht so recht in den Kram. Für sie ist die Arbeit mit Flüchtlingen seit vielen Jahren eine Herzensangelegenheit und damit etwas Normales und wie sie sagt „nichts Besonderes, wofür man einen Auszeichnung erhalten muss“.
„Wenn ich sehe, was die anderen 29 Ausgezeichneten geleistet haben, dann frage ich mich schon, womit ich das verdient habe.“

Das Team des vor einigen Jahren in der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber Halberstadt geschaffenen Kindergartens würde eine hervorragende Arbeit leisten, versucht Bärbel Herre von sich abzulenken. Mit dieser Bescheidenheit engagiert sich die 72-Jährige Goldschmiedemeisterin nicht erst seit der großen Flüchtlingswelle 2015, sondern seit gut 27 Jahren für Menschen in Not, gegen Diskriminierung und Ausgrenzung.

Stolz ist Bärbel Herre auf eine besondere Pinwand, die einen Ehrenplatz in der guten Stube ihres Hauses hat. Fröhliche Kindergesichter zieren sie und verbreiten gute Laune. „Das sind meine PatenkinderPatenkinder“, freut sie sich. Mädchen und Jungen, die irgendwann einmal mit ihren Eltern nach Deutschland geflüchtet sind und die sie betreut hat. Davon gibt es viele. Mit einigen steht sie in sehr engem Kontakt. Ein Zufall bringt die Mutter einer behinderten Tochter zur Flüchtlingshilfe – ein Besuch des Landesbildungszentrums für Hörgeschädigte Halberstadt. „Ich sagte mir, wenn man sich mit Händen unterhalten kann, dann kann man auch mit Flüchtlingen reden, die nicht unsere Sprache sprechen“, erinnert sich Bärbel Herre. Bereits 1991 gründet sie gemeinsam mit weiteren Mitstreitern den Verein Flüchtlingshilfe in Halberstadt, den es heute noch gibt. Vor allem die Kinder haben es ihr angetan. „Die werden nicht gefragt, wenn die Eltern beschließen zu gehen.“ Man reißt sie aus ihrer vertrauten Umgebung. Für viele sei das ein Trauma.

Bärbel Herre versucht diesen Bruch, das Ankommen in einem fremden Land mit fremder Kultur, mit liebevoller Zuwendung abzufedern. Sie organisiert für Kinder zum Beispiel Besuche im  Freizeitzentrum, dem Schraubemuseum, im Tiergarten oder andere interessante Freizeiten.

Quelle: „Halberstädter Tageblatt“ 

© Danny Keil E-Mail