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Alles so schön bunt hier – Artenvielfalt im historischen Federzimmer auf Schloss Moritzburg

Das Federzimmer auf Schloss Moritzburg bei Dresden ist ein weltweit einzigartiges kunsthandwerkliches Ensemble aus dem frühen 18. Jahrhundert. Der Baldachin und die Verzierungen des Prunkbettes sowie die Wandbehänge wurden aus Millionen von Vogelfedern angefertigt. Lange hielt sich der Mythos von einem mexikanischen Königsthron, für den überwiegend Federn tropischer Vogelarten verwendet wurden. Solche Legenden können anhand von Vergleichspräparaten aus Naturkundemuseen überprüft werden, z. B. mit Federmontagen, also auf Papierbögen montierten Federkleidern verschiedener Vogelarten. Doch die Bestimmung, von welchem Vogel einzelne Federn im Federzimmer stammen, ist auch deswegen schwierig, weil sich deren Farbigkeit über drei Jahrhunderte verändert hat. Außerdem liegt bei genauerer Betrachtung der historischen Textilien der Verdacht nahe, dass viele der Federn ursprünglich wahrscheinlich weiß waren und zur kunsthandwerklichen Verwendung mit den damals gängigen Naturfarbstoffen gefärbt wurden. Wie kann man also dennoch herausfinden, welche Vogelarten sich im Moritzburger Federzimmer verstecken?

Antworten gibt ein laufendes Projekt der Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen mit Schloss Moritzburg. Unter dem Lichtmikroskop unterscheiden sich Federn in ihren Mikrostrukturen so stark, dass sich verschiedene Vogelfamilien wie Papageien, Fasanenartige oder rein tropische Familien wie Kotingas bereits auf den ersten Blick unterscheiden lassen. Außerdem können verschiedene Feinmerkmale am Computer vermessen werden, und durch den Vergleich der Messstrecken können sogar Federn von Enten, Gänsen und Schwänen voneinander unterschieden werden. So lassen sich verlässliche Aussagen treffen, ob beispielsweise intensiv rote Federn der Wandteppiche – wie bisher angenommen – die tatsächlichen Gefiederfarben tropischer Felsenhähne zeigen oder ob es sich bei diesen um nachträglich eingefärbte Federn von europäischem Zuchtgeflügel handelt. Zusätzlich werden Federproben aus den Wandbehängen im Hinblick auf ihre Farbigkeit am Institut für Chemie – Organische Chemie der Universität Halle untersucht. Ziel ist es, mögliche in den Federn enthaltene Naturfarbstoffe (wie z. B. Karminsäure oder Indigo) mithilfe von spektroskopischen, chromatographischen und massenspektrometrischen Methoden zu charakterisieren.

Die Veranstaltung findet am Dienstag, 21. April 2026, ab 19:00 Uhr im Rathaus der Stadt Halberstadt statt. Der Eintritt kostet 3,00 € und ist für Mitglieder des Förderkreises frei.

©Stadt Halberstadt, 14.04.2026

© Nicole Huhn E-Mail

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