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BCKategorie 21.09.2015 09:27:53 Uhr | News | Pressemeldungen

Halberstadts erster Ehrenbürger – Anton von Klewitz

Gedenkmedaille an Wilhelm Anton von Klewitz, Zivilgouverneur in Halberstadt, Geheimer Staatsrat und Oberpräsident der preußischen Provinz Sachsen, Foto: Museum

Pünktlich um 10 Uhr trafen sich am Samstag, dem 1. August , Nachfahren des ersten Ehrenbürgers der Stadt Halberstadt, Wilhelm Anton von Klewitz im Städtischen Museum. Zur Begrüßung der 18 aus der ganzen Bundesrepublik angereisten Gäste zitierte Armin Schulze den Stadtchronisten Georg Arndt, der von einem Präsentierteller berichtete, auf dem die Urkunde des Magistrats überreicht wurde.


Die Umschrift lautete „Fest, wie im alten Dom der Hallen kühner Schwung, Bleibt uns der heil’gen Zeit Furcht und Erinnerung“. Der Text nimmt damit Bezug auf den Dom, für dessen Instandsetzung sich von Klewitz nach den langen Kriegsjahren maßgeblich einsetzte und meint mit der „heil’gen Zeit“, die napoleonischen Kriege, die Besetzung Preußens, das aus dessen Territorien errichtete Königreich Westfalen und die Befreiungskriege, also die Zeit von 1807 - 1815. Anton von Klewitz sagte später „es waren die wichtigsten und intensivsten Jahre meiner gesamten Laufbahn“.

Wer war Anton von Klewitz, der am 1. August vor 255 Jahren in Magdeburg als Sohn eines Kriminalrates und Gerichtsadvokaten geboren wurde?
Klewitz, noch ohne Adelstitel, studierte in Halle und Göttingen Jura und trat dann in den gehobenen preußischen Beamtendienst in seiner Vaterstadt Magdeburg ein. Er war von 1793-95 vortragender Geheimer Oberfinanzrat im südpreußischem oder Neuostpreußischem Departement, das aus der polnischen Teilung hervorgegangen war. Für seine Verdienste wurde er 1803 von König Friedrich Wilhelm III. geadelt. Als Kammerpräsident in Posen leitete von Klewitz 1805 die dortige Mobilmachung. Er war zeitlebens ein Befürworter von Reformen, trat für die Bauernbefreiung auf den Staatsdomänen ein und stand an der Seite von Hardenberg, Stein und Theodor von Schön, mit dem er eng befreundet war.

Im Gegensatz zum zaudernden König sah von Klewitz die einzige Chance zur Wiederherstellung der Souveränität in der Volksbewaffnung: „Wird es notwendig, dass wir uns mit Gewalt helfen müssen, so wird wahrscheinlich nicht unser Militär, sondern das Volk die Entscheidung bringen“.
Am 23. Oktober 1813, wenige Tage nach der Völkerschlacht bei Leipzig, kommt von Klewitz nach Halberstadt. Er residiert in der vormaligen westfälischen Präfektur am Domplatz 42/43 und ist als Zivilgouverneur für die Wiedereingliederung der eingenommenen Gebiete in Preußen zuständig. Das waren preußische Territorien, wie das Fürstentum Halberstadt, die zeitweilig dem Königreich Westfalen zugeordnet waren. Im Rahmen der Neugliederung Preußens entstand die Provinz Sachsen, die aus eben diesen altpreußischen sowie neuen sächsischen Gebieten bestand, die an Preußen abzugeben waren. Er erwarb sich bei der Erfüllung seiner Aufgabe größtes Ansehen und war in Halberstadt außerordentlich beliebt. Bei seinem Weggang aus der alten Domstadt erhielt er am 31. März 1816 die Ehrenbürgerschaft der Stadt, die erste die verliehen wurde.
1817 wurde Anton von Klewitz preußischer Finanzminister und war von 1824 bis 1837 der dritte Oberpräsident der preußischen Provinz Sachsen. 1833 erhielt er die höchste preußische Auszeichnung, den Schwarzen Adlerorden. Im gleichen Jahr zeichnete ihn die Universität Halle Wittenberg, die er schon 1810 nach der durch Napoleon verfügten Schließung wieder öffnen ließ, die Ehrendoktorwürde.
Anton von Klewitz starb am 26. Juli 1838.

In Halberstadt ist eine Straße nach ihm benannt. Andreas von Klewitz übergab vor einigen Jahren das sehr aufwändig gestaltete Ehrenbürgerdiplom seines Ahnen dem Städtischen Museum. Beim Treffen am 1. August erhielt die Einrichtung noch eine Gedenkmedaille. Auf der Vorseite ist ein Halbrelief, sein Name sowie eine Aufzählung seiner Funktionen, „KOEN.PREUSS.GEH.ST.RATH. STAATSSEKR.U.CIV. GUVERNOER“ zu sehen. Rückseitig ist zu lesen “DAS DANKBARE LAND ZWISCHEN DER ELBE UND WESER“. Die Medaille selbst hat auch eine interessante Geschichte, sie wurde vor Jahren im Schutt der ehemaligen, völlig zerstörten preußischen Festung Küstrin gefunden.

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BCKategorie 21.09.2015 09:27:53 Uhr | News | Pressemeldungen

Halberstadts erster Ehrenbürger – Anton von Klewitz

Gedenkmedaille an Wilhelm Anton von Klewitz, Zivilgouverneur in Halberstadt, Geheimer Staatsrat und Oberpräsident der preußischen Provinz Sachsen, Foto: Museum

Pünktlich um 10 Uhr trafen sich am Samstag, dem 1. August , Nachfahren des ersten Ehrenbürgers der Stadt Halberstadt, Wilhelm Anton von Klewitz im Städtischen Museum. Zur Begrüßung der 18 aus der ganzen Bundesrepublik angereisten Gäste zitierte Armin Schulze den Stadtchronisten Georg Arndt, der von einem Präsentierteller berichtete, auf dem die Urkunde des Magistrats überreicht wurde.


Die Umschrift lautete „Fest, wie im alten Dom der Hallen kühner Schwung, Bleibt uns der heil’gen Zeit Furcht und Erinnerung“. Der Text nimmt damit Bezug auf den Dom, für dessen Instandsetzung sich von Klewitz nach den langen Kriegsjahren maßgeblich einsetzte und meint mit der „heil’gen Zeit“, die napoleonischen Kriege, die Besetzung Preußens, das aus dessen Territorien errichtete Königreich Westfalen und die Befreiungskriege, also die Zeit von 1807 - 1815. Anton von Klewitz sagte später „es waren die wichtigsten und intensivsten Jahre meiner gesamten Laufbahn“.

Wer war Anton von Klewitz, der am 1. August vor 255 Jahren in Magdeburg als Sohn eines Kriminalrates und Gerichtsadvokaten geboren wurde?
Klewitz, noch ohne Adelstitel, studierte in Halle und Göttingen Jura und trat dann in den gehobenen preußischen Beamtendienst in seiner Vaterstadt Magdeburg ein. Er war von 1793-95 vortragender Geheimer Oberfinanzrat im südpreußischem oder Neuostpreußischem Departement, das aus der polnischen Teilung hervorgegangen war. Für seine Verdienste wurde er 1803 von König Friedrich Wilhelm III. geadelt. Als Kammerpräsident in Posen leitete von Klewitz 1805 die dortige Mobilmachung. Er war zeitlebens ein Befürworter von Reformen, trat für die Bauernbefreiung auf den Staatsdomänen ein und stand an der Seite von Hardenberg, Stein und Theodor von Schön, mit dem er eng befreundet war.

Im Gegensatz zum zaudernden König sah von Klewitz die einzige Chance zur Wiederherstellung der Souveränität in der Volksbewaffnung: „Wird es notwendig, dass wir uns mit Gewalt helfen müssen, so wird wahrscheinlich nicht unser Militär, sondern das Volk die Entscheidung bringen“.
Am 23. Oktober 1813, wenige Tage nach der Völkerschlacht bei Leipzig, kommt von Klewitz nach Halberstadt. Er residiert in der vormaligen westfälischen Präfektur am Domplatz 42/43 und ist als Zivilgouverneur für die Wiedereingliederung der eingenommenen Gebiete in Preußen zuständig. Das waren preußische Territorien, wie das Fürstentum Halberstadt, die zeitweilig dem Königreich Westfalen zugeordnet waren. Im Rahmen der Neugliederung Preußens entstand die Provinz Sachsen, die aus eben diesen altpreußischen sowie neuen sächsischen Gebieten bestand, die an Preußen abzugeben waren. Er erwarb sich bei der Erfüllung seiner Aufgabe größtes Ansehen und war in Halberstadt außerordentlich beliebt. Bei seinem Weggang aus der alten Domstadt erhielt er am 31. März 1816 die Ehrenbürgerschaft der Stadt, die erste die verliehen wurde.
1817 wurde Anton von Klewitz preußischer Finanzminister und war von 1824 bis 1837 der dritte Oberpräsident der preußischen Provinz Sachsen. 1833 erhielt er die höchste preußische Auszeichnung, den Schwarzen Adlerorden. Im gleichen Jahr zeichnete ihn die Universität Halle Wittenberg, die er schon 1810 nach der durch Napoleon verfügten Schließung wieder öffnen ließ, die Ehrendoktorwürde.
Anton von Klewitz starb am 26. Juli 1838.

In Halberstadt ist eine Straße nach ihm benannt. Andreas von Klewitz übergab vor einigen Jahren das sehr aufwändig gestaltete Ehrenbürgerdiplom seines Ahnen dem Städtischen Museum. Beim Treffen am 1. August erhielt die Einrichtung noch eine Gedenkmedaille. Auf der Vorseite ist ein Halbrelief, sein Name sowie eine Aufzählung seiner Funktionen, „KOEN.PREUSS.GEH.ST.RATH. STAATSSEKR.U.CIV. GUVERNOER“ zu sehen. Rückseitig ist zu lesen “DAS DANKBARE LAND ZWISCHEN DER ELBE UND WESER“. Die Medaille selbst hat auch eine interessante Geschichte, sie wurde vor Jahren im Schutt der ehemaligen, völlig zerstörten preußischen Festung Küstrin gefunden.

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