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Gräberfeld aus der frühen Bronzezeit - „Sonntagsfeld ist archäologischer Dauerbrenner“

[(c): Stadt Halberstadt/Pressestelle]

Archäologe Olaf Kürbis vom Landesamt für Denkmalpflege Halle und Grabungsleiter Dr. Matthias Sopp stehen vor einem 4.000 Jahre alten Grab mit einem nahezu vollständig erhaltenen Skelett, wahrscheinlich einer Frau. Gefunden wurde dieses und weitere Gräber aus der frühen Bronzezeit im Wohnbaugebiet „Sonntagsfeld“ in Halberstadt.

„Das Sonntagsfeld ist seit 20 Jahren ein Dauerbrenner“, sagt Olaf Kürbis, Gebietsreferent des Landkreises Harz und Mannsfeld/Südharz. 1999 wurden hier die ersten Grabungen vorgenommen. Scherben auf der Ackerfläche deuteten auf ein Siedlungsgebiet hin. „Aber, dass wir hier so viel finden, das hätten wir damals nicht gedacht“, so Olaf Kürbis weiter. Archäologen haben im „Sonntagsfeld“ bereits 7.000 Jahre alte Linienbandkeramiken aus der frühen Jungsteinzeit gefunden. Es gab aber auch Befunde, die auf das 3. und 4. Jahrhundert unserer Zeit datiert werden können. Also auch zeitlich gesehen eine große Bandbreite.

Und warum gerade hier? „Das hier ist eine super Lage mit fruchtbarem Boden und Wasser (Goldbach), hervorragend geeignet für ein Siedlungsgebiet“, erklärt der Archäologe Dr. Matthias Sopp, unter dessen Leitung die Grabungsbefunde der vergangenen Wochen freigelegt worden sind. „Die Besonderheit für dieses Gräberfeld ist die Hügelsituation. Hier war der höchste Punkt, alle Gräber sind nach Nord/Süd ausgerichtet und sollten auch gesehen werden.“ In manchen Gräbern wurden Grabbeigaben, wie vollständig erhaltene 4.000 Jahre alte Tassen aus gebranntem Ton geborgen. Auch eine Gewandnadel aus Bein gehört zu den Funden. An den Verfärbungen des Bodens ist gut zu erkennen, dass die Beisetzungen in einer rechteckigen Grube erfolgten, wahrscheinlich auf Holzböden und mit Holzbohlen umrahmt. Auch ein sehr aufwändig gestaltetes Grab, welches mit großen Felssteinen gestaltet wurde, haben die Archäologen freigelegt. Sie rechnen mit insgesamt sieben bis acht Gräbern in diesem Untersuchungsfeld, wo nach Abschluss der archäologischen Untersuchungen 15 Wohnhäuser gebaut werden können. Zuvor wurden schon acht Gräber bei den Arbeiten zur Straßenerschließung freigelegt.

Was passiert mit den archäologischen Funden? Sie kommen ebenso wie die dokumentierten Fundberichte und Auflistungen für die wissenschaftliche Bearbeitung ins Landesmuseum Halle.

14 Tage wird Grabungsleiter Dr. Matthias Sopp, Grabungsmitarbeiter und die Zeichnerin hier noch zu tun haben. Dannwerden die Bodenplatten für die ersten neuen Wohnhäuser, die hier entstehen sollen, gesetzt.

Wie Martin Brünig von der Tiefbauabteilung der Stadtverwaltung Halberstadt informiert, sei dies der vierte und damit letzte Bauabschnitt für das Wohnbaugebiet „Sonntagsfeld“. Vier von den 15 Grundstücken sind bereits vier verkauft, sechs weitere Bewerber gibt es noch. Das gesamte Wohnbaugebiet umfasst 66 Grundstücke.

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Grabungsleiter Dr. Matthias Sopp (rechts) und Grabungsmitarbeiter Peter Boßmann vor einem Grab aus der jungen Bronzezeit. Peter Boßmann präsentiert stolz eine der Grabbeilgaben -  eine 4.000 Jahre alte, sehr gut erhaltene Tasse aus gebranntem Ton.   

(Foto: Ute Huch/Pressestelle/Stadt Halberstadt)      

Stadtverwaltung Halberstadt / Pressestelle / 23.10.2018

© Ute Huch E-Mail

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