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„Die Finnen am Harz“ und die Neuauflage der Böttcherpublikation über den Dreißigjährigen Krieg

[(c): Städtisches Museum]

Es ist gut ein Jahr her, dass ich mit dem Autor Detlef Pleiss auf dem Stubensofa im Halberstädter Schraube-Museum saß, erinnert sich Museumschef Armin Schulze. Anlass war die Vorstellung seiner Publikation, „Die Finnen am Harz“, die ein bisher weitgehend unbeachtetes Kapitel des Dreißigjährigen Krieges behandelt. Nun sitze ich hier mit Dr. Martin Hentrich, routinierter Herausgeber von Veröffentlichungen zu regionalgeschichtlichen Denkwürdigkeiten und Dieter Leusche. Und es geht wieder um den Dreißigjährigen Krieg. Es ist wohl eine der beliebtesten Scherzfragen überhaupt, „Wie lange dauerte der Dreißigjährige Krieg“? Die richtige Datierung dieses dramatischen Ereignisses europäischer Geschichte fällt dann schon schwerer.

Orientierung geben zwei Begebenheiten, die bei Bedarf meist aus den Tiefen verschütteten Schulwissens hervorgekramt werden können. Der Fenstersturz zu Prag am 23. Mai 1618 als Auslöser und die Friedensverhandlungen vom 15 Mai bis zum 24. Oktober 1648 in den Städten Münster und Osnabrück, der als Friedensschluss von Münster bekannt wurde. Ein Krieg, in dem es um Machtansprüche auf dem Boden des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, zwischen Habsburgern und  Franzosen aber auch Religionsfragen ging. In dem Punkt eine späte Nachwirkung der Reformation. Die Auswirkungen waren im Verhältnis gesehen so dramatisch wie die des Zweiten Weltkriegs. Gut 40 Prozent der ländlichen Bevölkerung fielen den Auseinandersetzungen wechselnder Kriegskoalitionen und marodierender Heere zum Opfer. Aber auch große Städte, wie Magdeburg, wurden völlig verheert und weitgehend entvölkert. Der Dreißigjährige Krieg war ein Ereignis, das die politische Landkarte in den deutschen Ländern nachhaltig veränderte. Das über lange Zeit und immer wieder Geschichtsschreiber zu Forschungen und Beschreibungen veranlasste. So auch den Gymnasiallehrer Hermann Böttcher, der die Situation in Halberstadt und Umgebung in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts umfassend untersuchte, interessant beschrieb und gut lesbar und zu Papier brachte.

Hentrich und Leusche nahmen sich das 1914 erschienene Werk vor, ergänzten es mit Chronikauszügen umliegender Orte und zu Hornburg. Neu hinzugekommen sind auch zahlreiche Abbildungen, die das Geschehen dieser furchtbaren Zeit veranschaulichen. Nicht zuletzt verbesserten die Herausgeber die Lesbarkeit durch die Änderung der Schriftart und sorgten so für eine auch optisch bessere Lesbarkeit. Die Fraktur der Jahrhundertwende macht heute bisweilen Schwierigkeiten.

Im Nachwort ist zu lesen, ein verdienstvolles Angebot, dass sich wie ein Krimi liest, in dem aber Handlungen und Personen keineswegs frei erfunden sind.

Beide Publikationen, „Die Finnen am Harz“ und die Neuauflage der Böttcherpublikation wurden von Städtischem Museum und Historischen Archiv unterstützt.

Für 15 € ist die 344 Seiten umfassende und mit über 100 Abbildungen versehene, erweiterte Böttcher-Chronik in der Buchhandlung Schönherr und im Städtischen Museum Halberstadt zu bekommen.

Armin Schulze

FOTO: Gemeinsam auf dem Schraube-Sofa, v.l.n.r. Dieter Leusche, Armin Schulze und Dr. Martin Hentrich mit der neuen, ergänzten und überarbeiteten Böttcher-Chronik, Halberstadt im Dreißigjährigen Krieg.l

 (Foto: Städtisches Museum Halberstadt)

12.12.2017 / Stadtverwaltung Halberstadt / Pressestelle

© Jeannette Schroeder E-Mail

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