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Die Höhlenwohnungen von Langenstein

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Viel wurde in der letzten Zeit über die ehemaligen Höhlenwohnungen von Langenstein geschrieben. Hiermit soll versucht werden, eine Zusammenstellung aller bisher bekannten Fakten vorzunehmen, die es über die Höhlen gibt. Es kann keine endgültige Aussage getroffen werden, da es immer wieder neue Erkenntnisse geben wird, die aufzuarbeiten und einzuordnen sind.

Es ist eine Besonderheit im gesamten Norddeutschen Raum gewesen, dass es Felshöhlen gab, die als reguläre Wohnungen genutzt wurden. Selbst in amerikanischen Zeitungen wurde zur damaligen Zeit vom Dorf der Troglodyten, den Höhlenbewohnern gesprochen. Es gab in Langenstein einmal die wohl bekannteste Höhlenwohnung auf der Altenburg, die bis 1916 bewohnt wurde und darüber hinaus noch eine regelrechte Höhlenstraße auf dem Schäferberg, die noch länger bewohnt waren.

Die Höhlenwohnungen auf der Altenburg trug zur Zeit der Bewohnbarkeit eine reguläre Hausnummer, die Nummer 11. Über dem Eingang konnte noch die Jahreszahl 1787 entziffert werden. Es gibt keine Aussage, welche Bedeutung diese Jahreszahl für die Höhle hatte. Die Wohnung gehört zum Gutsbezirk und es musste dafür auch eine regelrechte Miete entrichtet werden. Der Bewohner der Höhle hatte aber auch in zurückliegender Zeit, wie alle anderen Dorfbewohner, Anrecht am Gemeindeeigentum, wie zum Beispiel die Nutzung der Weidefläche auf dem Anger.

Die Höhle bestand im Wesentlichen aus drei Räumen. Links vom Eingang befanden sich der Schlafraum mit einem hölzernen Bett und eine Strohschütte. Rechts vom Eingang war die Küche mit einem hohen Rauchabzug, dahinter war die Stube. Im hinteren Bereich der Höhle waren die Vorräte und die Brennmaterialien untergebracht.

In den Ställen vor der Höhle war Platz für Kleinvieh, Hühner, Gänse und Ziege. Gegenüber auf dem Plateau war ein kleiner Garten angelegt, in dem einige Kräuter und auch ein paar Blumen ihr Dasein fristeten. Die Höhle hat, wie alle anderen Höhlen auch einen starken Pfeiler in der Mitte. Dadurch ist auch die Sicherheit gegen einen Einsturz gegeben. Über die anderen Höhlen in unmittelbarer Nähe gibt es bisher keine authentische Aussage über eine Nutzung. Allerdings ist aus einer Zeichnung von L. Crola 1842 die Höhle unterhalb der Nummer 11 noch in einem recht guten Zustand zu erkennen und es liegt die Vermutung nahe, dass auch dort eine längere Phase der Bewohnbarkeit war.

Nach dem Tod des letzten Höhlenbewohners verfiel die Außenanlage immer mehr, bis sie schließlich als ehemalige Wohnung nicht mehr zu erkennen war.

Anfang dieses Jahrhunderts verließ man nach und nach die Höhlen und zog in kleine Häuschen, die teilweise vor den ehemaligen Höhlen entstanden. Zwei dieser Häuser sind die der Familien Cerny und Sattler. Die Höhlen wurden danach als Keller und Vorratslager genutzt. Zuerst durch die Erbauer selbst und später wurden auch dann solche Höhlen an mehrere Pächter vergeben. Die Wohnhöhlen waren von oben her sehr leicht zu begehen und nicht selten wurden durch die Schornsteine von herum spielenden Kindern im Schabernack, kleine Steine in die Küche geworfen. Es prägt sich auch ein Spruch heraus, nachdem es in Langenstein möglich wäre, "datt de Schaape in en Schornstein schiet"

Sehenswert ist auch der Höhlentrakt am Ortseingang am Steinweg. Diese Höhlen dienten ausschließlich als Ställe und Vorratskeller. Weiter Höhlen, die aber im Grunde nur Eingeweihten bekannt sind, sind Höhlen am Hermannsteich (Untermühlenteich).

Hier gab es einmal eine Kalkbrennerei. Der Haupthöhlenraum ist zusammengestürzt und die Nebengänge wurden dann später als Champignonzucht genutzt. Weiter Höhlen gibt es auf der Wilhelmshöhle, die ebenfalls zur Champignonzucht genutzt wurden oder als Lagerräume für die Landwirtschaft. Diese Höhlen sind aber allgemein nicht mehr zugänglich, da es teilweise gefährlich ist (Einsturzgefahr) oder es ist Privatbesitz. Ursprünglich waren diese Höhlen Unterkünfte für das Wachpersonal, das auf dem Turmberg den Wachturm zu besetzen hatte. Dieser Turm stand in der Zeit, als um Langenstein herum noch die einzelnen kleinen Orte existieren. Eine kleine Höhle gibt es noch am Renneberg, der sogenannte "Pulverkeller". Der eigentliche Verwendungszweck ist unklar.

Die Höhlenmenschen von Langenstein

Hier erzählt unserem Mitarbeiter einer der letzten Bewohner des Schäferberges bei Langenstein, Gottlieb Zander, von seinem seltsamen Höhlendasein:

"Mein Name ist Gottlieb Zander. Wenn Sie möchten, schließe ich Ihnen gern einmal die Tür auf zu unserer Wohnung. Wissen Sie, so einfach war das nicht damals: Das liegt nun schon 77 Jahre zurück. Es gab da noch komische Auffassungen von Reinlichkeit. Mein Vater hatte geheiratet. Und nun wohnten meine Eltern bei einem Bauern. Da gab es dann den ersten ehelichen Streit, weil meiner Mutter verboten wurde, so häufig zu waschen. Lachen Sie nicht, aber das geschah deswegen, weil man behauptete, dass reine Wäsche die Wanzen anzöge. Da wäre also meine Mutter beinahe ausgerückt, wenn nicht mein Vater sich am Schäferberg neben den anderen Höhlenwohnungen für acht Groschen einen Bauplatz im Felsen gekauft hätte, auf dem er nun allerdings nicht Wände und Dach zu bauen brauchte, als ausgehauen zu werden."

"Sehen Sie hier, dies ist der vordere Raum mit dem Herdfeuer und dem Kamin, der natürlich bei Regen zugedeckt werden musste. Hier drin haben meine Eltern gewohnt, bis die Felswände allmählich andere Räume freigaben. Durch die Haustürfenster kam Licht, und abends wurde der Oelkrüsel an die Wand gehängt. Im Sommer konnte sich ja das Familienleben vor der neuen Wohnung abspielen. Aber zum Winter mussten dann auch die anderen Zimmer fertig sein." "Das hier war gewissermaßen die Wohnstube. Auf der Steinbank dort vor den Fensternischen haben wir im Winter gespielt. Hier stand der Ofen, dort das Sofa. An dieser Wand hing die Uhr. Ich weiß noch alles ganz genau. Es war ja so gemütlich, und wir Kinder fanden alles so selbstverständlich und gar nicht eng. Sonntags wurde weißer Sand gestreut, und es war ein richtiger Feiertag.

Wenn wir vor der Tür saßen, konnten wir über das ganze Dorf hinweggucken und auf die Berge. Das kommt ja nun nicht wieder. Für uns Kinder wurde eine Kammer gebaut. Es passten gerade unsere Betten hinein. Und unsere Wohnung bestand schließlich aus fünf Zimmern. Das hat man gewiss nicht alle Tage, dass man ohne Steine und Mörtel seine Wohnung beliebig vergrößern kann. Wie Sie sehen, ist noch alles genau so wie vor vierzig Jahren, als ich mein Geburtshaus verließ." "Haben Sie das bemerkt, jetzt fliegen Rauchschwalben aus und ein. Die wohnen nun in meinem alten Elternhaus. Das mag merkwürdig erscheinen, in einer Höhlenwohnungen im Felsen geboren und aufgewachsen zu sein. Aber wie gern wir hier aus- und eingingen, das begreife ich erst jetzt manchmal, da wir schon lange Jahre in einem richtigen Haus wohnen. Mein Onkel hatte dort die Höhlenwohnung nebenan. Und ich hatte mir so gedacht, einmal oben über dem Felsen ein Haus zu bauen. Dann wäre ich sozusagen auf dem Grund und Boden meines Elternhauses geblieben und hätte immer hinuntersteigen können in das Reich meiner Jugend. Nun das ging denn noch nicht. Ob man wohl anderswo und in den großen Städten unsere Liebe zu unserer Höhlenheimat versteht?

Zwölf Wohnungen in den Felsen ohne Ziegel und Dach, ohne Regenrinne und Balkenwerk kenne ich noch ganz genau. Und sie alle waren luftig und trocken. Für viele ist unser Langensteiner Sandstein ein Segen gewesen, der Familienglück und Zufriedenheit von Generationen beschirmt hat. Ein Bild von den Felsenhäusern drüben an der Altenburg existiert auch noch. Aber sehen Sie, es ist schon dreißig Jahre alt. Und so verblasst es langsam. Drüben auf den Felsenberg müssen Sie hinaufsteigen. Klettern können Sie dort, wie man das in den Alpen macht. Aber niemand in der Welt kennt diese Klippen. Von dort könne Sie gewissermaßen Langenstein in die Höfe und Straßen und den Hausfrauen in die Töpfe gucken."

Die Höhlenstraße von Langenstein

In Langenstein befinden sich Deutschlands einzige Höhlenwohnungen und laden wieder zur Besichtigung ein. Ihr letzter Bewohner, Karl Rindert, zog erst 1916 aus. Fortan dienten sie nur noch als Stallungen, Vorrats- oder Luftschutzkeller.

Zunehmend gerieten die einzigen Höhlenwohnungen in Langenstein in Vergessenheit. Ein Mitte der achtziger Jahre herausgegebener Wanderführer "Langenstein" widmete ihnen lediglich eine gute Halbe von 36 Seiten überregionalen Reiseführern waren die einzigen Höhlenwohnungen Deutschlands vielfach nicht einmal eine kleine Notiz wert. Wann die ersten Höhlen in die Sandsteinfelsen des Langen Steins geschlagen wurden, dürfte für immer im Dunkeln der Geschichte verborgen bleiben. Manche Heimatforscher datieren sie auf germanische Zeit, andere bringen sie mit dem Bau der Altenburg im 12. Jahrhundert in Verbindung. Da Bischof Ulrich, Vize-Dominus Probst des Liebfrauenstiftes zu Halberstadt, in ständiger Fehde mit Herzog Heinrich dem Löwen lag, hatte er den Auftrag für den Bau einer Burg auf dem Langen Steins unweit Halberstadts erteilt.

Wiederholt zerstört, wurde sie 1653 endgültig abgebrochen. Heute erinnern an sie nur noch einige Mauerreste, halb verschüttete Burggräben und vor allem ein erst in den letzten Jahren wieder freigelegter Fahrweg auf die Burg. Deutlich sind im Steinboden die Rillen zu erkennen, in denen die Räder der Wagen wie auf Schienen liefen

Den steilen Fahrweg hinauf finden sich in den Felsen zahlreiche Höhlen. Wohnzwecken dienten allerdings die wenigsten. Nur die Höhlenwohnung von Karl Rindert präsentiert sich Besuchern inzwischen wieder in ihrem ursprünglichen Zustand.

Erst Mitte des vorigen Jahrhunderts entstanden dagegen die Höhlenwohnungen am Schäferberg. 1855 hatte Wilhelm Rimpau, der "Vater der systematischen Getreidezucht" das einstige Schloß und Gut der Freifrau von Branconi erworben. Bis heute gilt der in den folgenden Jahrzehnten gestaltete Landschaftspark als der schönste des Harzvorlandes. Wohnraum für seine Landarbeiter vermochte Rimpau indes nur ungenügend zur Verfügung zu stellen. So musste die Gemeinde mit "Baugrund" aushelfen.

Elf Wohnungen wurden damals in den Quadersandstein getrieben. Die meisten bestanden aus einem Wohnraum, einer Küche, einem Vorratsraum und zwei Schlafräumen. Auch diese Höhlenwohnungen waren noch Anfang dieses Jahrhunderts bewohnt. Ihr letzter Bewohner, der Leierkastenspieler Ludwig, genannt "Ludjen" Schmidt, starb 1910.

 

Anfahrt und Kontakt: Langenstein liegt sechs Kilometer südlich von Halberstadt an der B81. Hinweisschilder im Ort weisen Ihnen den Weg. Es gibt keine festen Öffnungszeiten. Bitte rufen Sie an - dann vereinbaren wir gern einen Termin:

Langensteiner Höhlenwohnungen e.V.

Siegfried Schwalbe
Telefon +49 3941 602108
E-Mail schwalbe-langenstein@gmx.de

Helmut Scholle
Telefon +49 3941 602104

© Jeannette Schroeder E-Mail

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