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Ungehobenen Schätzen auf der Spur

Neues Konzept soll Stolz der Halberstädter und Aufmerksamkeit bei Touristen wecken
Neue Ideen sind wichtig, will man im Wettstreit um die Gunst der Reisenden bestehen. Halberstadt ... weiterlesen

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BCKategorie 21.09.2015 09:27:53 Uhr

Eremitage

Seitlicher Zugang der EremitageIm westlichen Bereich des Landschaftsparkes Spiegelsberge wurde um 1772 die Eremitage erbaut. In Eremitagen oder Einsiedeleien pflegte man philosophische Gespräche zu führen, fernab vom täglichen Treiben, ganz in beschaulicher Ruhe und Abgeschiedenheit.
Das Baujahr wird aus einer Veröffentlichung des Landbaumeisters Johann Christian Huth (1726 – 1804) abgeleitet, in welcher er die Verwendung von Kalkmörtel bei der Errichtung einer "40 Fuß hohen rauen Mauer" … "an der gegen Abend stehenden Vorderseite" der Eremitage beschreibt. Dabei könnte es sich um die ursprünglich über der noch vorhandenen Höhlenanlage errichteten Architektur handeln.

KaminnischeBisher wurde angenommen, dass die Mauer über der Eremitage lediglich eine Attrappe war. Während der Recherchen zu dem Buch "Der Landschaftspark Spiegelsberge – Ein Stück Halberstadt voller Charme und Seltsamkeiten" stieß Herr Wolfgang Scheidt auf eine in diesem Zusammenhang bisher nicht beachtete Textstelle in L.F.G. Goeckingks Buch "Briefe eines Reisenden an Herrn Drost von L B" aus dem Jahr 1778. Darin heißt es:

Lapidarium in der Eremitage"Am Ende der Berge hat der Besitzer vor einigen Jahren noch ein Gebäude aufführen lassen, worin ein artiger Saal, einige Kubikmeter und unter den Felsen, worauf es steht, Grotten in den Fels gehauen, mit kolorierten Statuen besetzt sind, die mich selbst beim Eintritt so täuschten, dass ich sie für Mönche und Nonnen hielt." Der Kratzensteinsche Plan von 1788 bestätigt diese Beschreibung Goeckingks.

Die Eremitage wurde wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 19. Jahr-hunderts abgebrochen. Der erhaltene unterirdische Teil besteht aus einem längsovalen Vor- oder Hauptraum mit zwei Kaminnischen.

Thron aus Sandstein in der Eremitage

Von diesem gelangt man in einen oktogonalen Raum, dessen Wände halbrunde Nischen aufweisen. Daneben befindet sich ein zweiter Raum auf rechteckigem Grundriss. Alle Räume sind ziegelüberwölbt und werden zum Teil durch Oberlichter belichtet bzw. weisen Abzugsöffnungen für die Kamine auf. Vom eigentlichen Eingang zu dieser Raumfolge zweigt ein Treppenaufgang rechtwinklig ab und bildet einen weiteren Zugang. Im Vorraum befinden sich zwei Torsi, welche wohl als Reste der von Goeckingk um 1778 geschilderten Statuen zu betrachten sind.

Vor der Eremitage befindet sich ein ebener Platz, welcher vermutlich zu einem späteren Zeitpunkt durch die Anlage einer Stützmauer erweitert wurde. Gegenüber der Eremitage befand sich ursprünglich der Eingang in einen umfriedeten Tannenwald. Dort war die Statue des Einsiedlers aufgestellt, über deren Gestaltung und Verbleib keine Erkenntnisse vorliegen.

Eingang und Vorplatz der Eremitage