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„Hört, ihr Leut, und laßt euch sagen…“ - Von Gas, Feuer und Innovation in alten Zeiten, festgehalten in einem Modell.

[(c): Städtisches Museum Halberstadt]

„Hört, ihr Leut, und laßt euch sagen…“: Den Anfang dieses Nachtwächterspruchs kennt wohl fast jeder. Auch der bekannte Maler Walter Gemm zeigte uns den Halberstädter Städtwächter im warmen Umhang mit Hellebarde und Laterne durch die dunklen verschneiten Straßen der Unterstadt stapfend.

Die Ansage, was gerade die Glocke geschlagen hatte und das wache Auge auf mögliche Missetäter war allerdings nur ein Teil der Aufsichtsaufgabe. Viel gravierender war die Sorge um die Feuersicherheit in der Stadt um Brand-Katastrophen zu verhindern.


So hatte die Nachbarstadt Wernigerode gleich vier große Stadtbrände, den letzten erst 1847, zu überstehen. Abgesehen von den gründlichen Zerstörungen auf dem Domplatz von 1179, der damaligen Domburg, durch den Welfen Heinrich den Löwen blieb die alte Bischofsstadt von solchen umfassenden Vernichtungen bis 1945 weitgehend verschont.

Über Jahrhunderte waren warme Stuben und heiße Suppen nur mit offenem Feuer, Licht durch Talg- oder Öl- Leuchten sowie teure Kerzen zu bekommen. Und das war eben bei der Bauweise der Häuser brandgefährlich. Wer den Weg durch die Stadt beleuchtet haben wollte, nahm die Fackel, auch nicht unbedenklich. Die Vertreter des Patriziats ließen sich durch einen Stadtknecht die Hilariuslaterne voran tragen, um sich zum Beispiel am dunklen 13. Januar zum Festmahl geleiten zu lassen.

Der technische Fortschritt ließ um die Mitte des 19. Jahrhunderts auch in Halberstadt

Gedanken an eine Gasbeleuchtung aufkommen. Zunächst fehlte das Geld, weshalb es erst 1859 zur Gründung einer „Gas-Aktien-Gesellschaft“ kam. 1861 wurde dann ein Gaswerk errichtet, in dem Steinkohle als Rohstoff diente. Und im gleichen Jahr sind erste Straßenlaternen in der Stadt zu finden. Die Funktion war zunächst recht mangelhaft, was sich aber mit dem Bau des großen Gasbehälters 1872 änderte, der für einen gleichbleibenden Druck des Verbrennungsgases sorgte. Künstlerisch Gestaltete, gusseiserne Ausleger waren noch lange im Stadtbild zu sehen, auch wenn die inzwischen auf elektrischen Betrieb umgerüstete Leuten trugen.

Noch vor 1900 zogen auch Gaslampen in wohlbetuchte Privathaushalte ein. Vor Jahren konnte man hier und da noch die dünnen Rohrleitungen finden, die zur großen Leuchte in der Mitte der Stubendecke liefen und so an eine gravierende Neuerung von vor 140 Jahren  erinnerten.

Berechtigter Stolz auf die technischen Innovationen der Gründerzeit  veranlassten die Halberstadtwerke 2015 Dieter Janietz zu beauftragen, ein großes Modell des alten Gaswerkes bauen. Es ist derzeit in der Sonderausstellung des Städtischen Museums, „Halberstädter Geschichte im Modell“, zu sehen.

Das untrennbar mit der Stadtgeschichte verbundene Traditionsunternehmen und das Städtische Museum planen eine Zusammenarbeit zu verschiedenen Themen. Denn nicht nur Gas, auch Elektrizität, Wasser und Abwasser sind ein wichtiger Bestandteil der städtischen Entwicklung.

Ach ja, und so lautet die Fortsetzung der ersten Strophe des alten Nachtwächterspruchs:

„unsere Glock ́ hat acht geschlagen!
Wahrt das Feuer und das Licht
Daß dem Haus kein Leid geschicht ! …“

Heute muss jeder selbst für die Sicherheit Sorge tragen. Neuerdings wenigstens assistiert von bundesweit verordneter Rauchmeldetechnik.

(Armin Schulze, Museumsdirektor)

FOTO: Das Wichtigste steht vorn, das Modell des alten Gaswerks an der Wehrstedter Straße, 2015 gebaut von Dieter Janietz. Eine Leihgabe der Halberstadtwerke zur Ausstellung „Halberstadt Geschichte im Modell“ des Städtischen Museums – v.l.n.r. Sebastian Hübner, Pressesprecher der Halberstadtwerke, Christina Janietz, Armin Schulze vom Städtischen Museum , Enkel Kai Beckmann und Andreas Jahn, Bereichsleiter im städtischen Versorgungsunternehmen. (Foto: Städtisches Museum)

28.12.2017 / Stadtverwaltung Halberstadt / Pressestelle

© Jeannette Schroeder E-Mail

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