BCKategorie 21.09.2015 09:27:53 Uhr

Barheine - Kunstbeirat

Julius und Hermine Barheine

| ZUM GELEIT |

Klein von Statur, zäh im Wollen, bemüht, aus ärmlichen Verhältnissen in Sphären einzudringen, in denen er nicht unbedingt materiellen, so doch geistigen Reichtum zu finden hoffte.


Das war Julius Barheine, geboren am 10. Januar 1897 in Halberstadt und gestorben am 1. September 1976 in derselben Stadt.

Julius Barheine entwickelte sich zu einem überdurchschnittlich begabten Maler und Grafiker, der ständig an sich arbeitete, nie aufgab, immer kämpferisch war und ganz und gar in seinem künstlerischen Streben aufging. Seine Sehnsucht nach Vollkommenheit, sein Drang nach Erkenntnis, sein Wissen um die Grenzen menschlichen Denkens sprechen nicht nur aus seinen Bildern, sondern auch aus seinen Tagebuchaufzeichnungen und Gedichten.

Seine Frau Hermine Barheine, geb. Tolle, die er am 25. März 1937 heiratete und die am 13. Januar 1995 kinderlos verstarb, bestimmte in ihrem Testament, den in ihrem Hause befindlichen künstlerischen Nachlass ihres Mannes dem Gleimhaus zur Aufbewahrung und Nutzung zu übergeben (ca. 5000 Arbeiten) und das übrige Vermögen (Grundstück, Haus und Kapital) durch die Stadt Halberstadt so verwalten zu lassen, dass aus dem Zinserlös jungen und alten bedürftigen bildenden Künstlern aus den Kreisen Halberstadt und Wernigerode finanzielle Unterstützungen gewährt werden können.

Was bewegte Hermine Barheine zu diesem Entschluss? Der lange zum Gleimhaus bestehende Kontakt war ihr eine Garantie, das künstlerische Erbe ihres Mannes in dieser Einrichtung für die Nachwelt gut aufbewahrt zu wissen. Sie hat selbst erfahren, in welche Nöte bildende Künstler in einer materiell denkenden Gesellschaft geraten können. Sie glaubte, im Sinne ihres Mannes zu handeln, wenn ihr übriger Nachlass zur Fortbildung bildender Künstler und zur Linderung finanzieller Schwierigkeiten genutzt werden könnte.

Bereits 1902 starb Julius Barheines Vater, eine Witwe mit vier Kindern hinterlassend. In der lithografischen Anstalt Louis Koch in Halberstadt fand Julius 1914 Aufnahme als Lehrling. Hier wurde sein Interesse an der Malerei und Grafik geweckt. Mit etwas gespartem Geld ging er 1919 auf die Kunstgewerbeschule in Magdeburg. Aber 1922 waren die Ersparnisse aufgebraucht. Er musste die Schule verlassen und zog nach Ilsenburg, wo er zwei Jahre als Hüttenarbeiter sein Brot verdiente, ohne seine künstlerische Entwicklung zu vernachlässigen. 1924 wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit, musste aber bald erkennen, dass ihm noch einiges an handwerklichem Rüstzeug fehlte. So machte er sich 1926 auf den Weg nach Berlin zur dortigen Kunstakademie. 1935 kehrte er nach Halberstadt zurück und ließ sich als freischaffender Künstler nieder. Trotz starker Schwerhörigkeit wurde er als Soldat in den Zweiten Weltkrieg eingezogen. Aus der Gefangenschaft zurückgekehrt, fand er sein Atelier als Ruine vor, und seine Arbeiten waren verbrannt. Er ließ sich mit seiner Frau aber nicht entmutigen, beide bauten sich im Molkengrund eine Baracke aus, in der sie mehrere Jahre lebten, bis sie in der Sargstedter Siedlung ein Haus erwerben konnten.

Dank der Vielseitigkeit sowohl in der Beherrschung der Techniken als auch der Genres erhielt Julius Barheine zahlreiche staatliche und betriebliche Aufträge in den DDR-Jahren. Sein Lebensweg veranlasste ihn, von 1954 bis 1972 einen bildkünstlerischen Zirkel zu leiten, aus dem mehrere Teilnehmer Kunsthochschulen besuchen konnten. Diese nicht leichten Jahre eines Künstlerlebens bestärkten Hermine Barheine, ein Testament anzulegen, das dem künstlerischen Nachlass ihres Mannes ebenso wie seinen und ihren Lebenserfahrungen gerecht wird.

Zum Nachlassverwalter bestimmte sie den damaligen Direktor des Gleimhauses. Dem Testament gemäß wurde durch die Stadtverwaltung Halberstadt ein Beirat ins Leben gerufen, dem ein Vertreter der Stadt (Abt. Finanzen), je ein Vertreter des Kreises Halberstadt und Wernigerode (Abt. Kultur), ein Mitarbeiter des Schlosses Wernigerode sowie der Nachlassverwalter und der Direktor des Gleimhauses angehören.

Horst Scholke

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